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«André Chénier – Revolution in Bregenz»

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altAm Anfang begegnet uns der Tod und am Schluss gehen die beiden Verliebten, Romeo und Julia, aus der französischen Revolution gemeinsam in den Tod. Dazwischen ist aber recht viel los, das wirkt ausgesprochen lebendig bei dem Spiel auf dem See der Bregenzer Festspiele. Gegeben wird die am 28. März 1896 uraufgeführte Oper «André Chénier» von Umberto Giordano. Es ist die Oper der französischen Revolution – sie erinnert einem gelegentlich an die Querelen  im Musical «Les Misérables», wobei «André Chénier» ist ernste Unterhaltung, was den Inhalt und die Musik betrifft. Das Werk wird immer wieder aufgeführt, Grössen der Opernwelt, wie Plazo de Domingo und José Carreras und der verstorbene Luciano Pavarotti spielten immer wieder den Part des «André Chénier». In Bregenz wurde im letzten Jahr erstmals das Werk inszeniert und zwar von keinem geringeren als Keith Warner.

Die Inszenierung ist im wahrsten Sinne spektakulär. Die Bühne besteht aus einer grossen Skulptur, nämlich dem französischen Revolutionsführer Jean Paul Marat (1747-1793). Er war einer der radikalsten Führer der französischen Revolution auf Seiten der Jakobiner, die unter Robes Pierre ein Schreckensregime errichtet hatte. Daneben gibt es eine schwimmende Bühne, die tatsächlich mit den Darstellern auf dem See herumgondelt. Verschiedene Mitwirkende müssen in dieser Oper neben dem Schauspielern und Singen gut Schwimmen, Tauchen und Rudern können. Mehrere der Hauptakteure haben im wahrsten Sinne einen «schwimmenden Part». Das ganze Opern-Werk wird unterstützt von der amerikanischen Standman-Gruppe AiRealistic. Da schweben akrobatisch Jungfrauen vor einem Spiegel-Rahmen herunter, seilen sich Darsteller auf dem riesigen Kopf von Jean Paul Marat ab usw. Das ganze Spektakel führt sicherlich dazu, dass sich auch «nicht Opern-Begeisterte» der schweren Kost dieses Werk annähern können; so gesehen ist das Werk ein «Door-Opener». Schade, dass ungefähr ein Sechstel der Plätze – trotz Premiere – leer blieb. Der Gesang der Hauptdarsteller des Mexikaners Hector Sandoval, als André Chénier, John Lundgren in der Rolle von Carlo Gérard und die Sopranistin, Tatiana Serjan, als Maddalena di Coigny, liess wirklich nichts zu wünschen übrig. Insbesondere fielen einzelne Arien durch ihre wunderbare Widergabe aus dem Rahmen auf dem See. Insbesondere regte mich das gesamte Bühnenspektakel zu verschiedenen Überlegungen an, die alle einen Bezug zur Revolution haben. Sie alle kennen das amerikanische Präsidenten-Monument, das Mount Rushmore National Memorial, mit den vier berühmten Präsidenten, George Washington Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln - auch sie stehen für Revolutionen, aber in einem ganz anderen Sinn.

Am Schluss vereinigen sich die Liebenden im Tod – das erinnert mich an den Kronfolger Rudolph in Mayerling. Es gibt Historiker, die glauben, dass ist die eigentliche Ursache des Untergangs der österreichischen Monarchie – Rudolph hatte viele revolutionäre Ideen, der Tod des Kronfolgers war.

Die Grundaussage des Werks ist der berühmte Satz «Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder» von Pierre Vergniaud. Im Programmheft wird die Geschichte schwergewichtig mit dem arabischen Frühling verglichen (Marokko, Lybien, Syrien usw.) – ob dem so ist, kann offen bleiben. Sicherlich erleben wir aber gerade in den arabischen Ländern, wie die Revolution ihre Kinder auffrisst. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass ausgerechnet die UBS und Casino Austria Hauptsponsoren sind - die Produktion kostet im Übrigen 20 Mio. Euro. Was bleibt, ist der Eindruck, dass Bregenz immer eine Reise wert ist. Mir gefiel im gesamten «André Chénier» die Inszenierung von André Chénier besser als «AIDA» vor 2 Jahren.

Im nächsten Jahr 2013 soll meine Lieblingsoper «Die Zauberflöte» aufgeführt werden. Ich freue mich jetzt schon darauf – nebenbei: nach dem zweiten Weltkrieg fiel Bregenz mit diesem Werk schon einmal auf und brachte neuen Schwung. Zwar steht über André Chénier auch das Zitat «Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen» - bei «Die Zauberflöte» gilt dies wohl nicht.

 


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