Der Film versetzt einen zurück an den Anfang der 1960er Jahre in die Stadt Jackson im US-Bundesstaat Mississippi. Aibileen (Viola Davis), Minny Jackson (Viola Davis) sind schwarze Dienstmädchen, die im Haushalt weisser Frauen arbeiten und deren Kinder grossziehen. Die afroamerikanische Bevölkerung leidet in dieser Zeit unter der vor allem in den Südstaaten vorherrschend gesetzlich fundamentierten Rassentrennung, die nach dem Grundsatz separate but equal praktiziert wurde.
Die junge und rebellische Studentin Skeeter (Emma Stone) träumt von einer Karriere als Autorin in New York. Um dieses Ziel zu erreichen will sie ein Buch schreiben, welches den Frauen, die ihr Leben dem Haushalt und den Kindern fremder Leute widmen, eine Stimme gibt. Um das Buch zu veröffentlichen, muss Skeeter schwarze Dienstmädchen überzeugen, ihr Schicksal offenzulegen. Dies erweist sich schwieriger als gedacht. In einer von der Rassentrennung dominierten Zeit haben die Dienstmädchen Angst, ihre Anstellung zu verlieren. Nach anfänglichen Zweifeln schafft sie es, Aibileen und Minny für sich zu gewinnen. Skeeter wird durch die Erfahrungsberichte ihrer Gesprächspartnerinnen zunehmend zu einer Kritikerin der Rassentrennung und stösst bald selbst in ihrem Freundeskreis auf Widerstand. Konflikte sind vorprogrammiert.
Die Tatsache, dass der Regisseur und Drehbuchautor Tate Taylor selbst in Jackson Mississippi aufgewachsen ist, verleiht dem Film die nötige Authentizität. Auch er empfand eine grosse Zuneigung zu den Dienstmädchen, welche bei ihnen zu Hause arbeiteten. Ferner trägt die exzellente Besetzung, sowie das authentische Umfeld dazu bei, dass man sich als Zuschauer sehr gut in die Zeit zurück versetzen kann. Unterhaltsam sind insbesondere die Szenen in denen auf einer Seite die Verklemmtheit der weissen Damen gezeigt wird, während auf der anderen Seite die Dienstmädchen, trotz aller Unterwürfigkeit, humorvoll mit ihrer Situation umgehen. Obwohl der Film eine sehr tragische Thematik behandelt, kommt er nie deprimierend daher.
Die Besetzung der Hauptrollen durch Vila Davis und Octavia Spencer als verachtete Dienstmädchen war eine der besten Entscheidungen von Tate Taylor. Beide verfügen über ein hervorragendes schauspielerisches Talent. Ihnen gelingt es, einerseits die Zuschauer in tiefe Emotionen zu versetzen und andererseits sie wieder mit ihrem Humor zum Lachen zu bringen.
Emma Stone gelang mit „Zombieland“ der endgültige Durchbruch in der Filmbranche. Danach folgten die Komödien „Einfach zu haben“, „Freunde mit gewissen Vorzügen“ (Gastauftritt) und „Crazy, Stupid, Love“, wo sie eher ihr Komödientalent zum Vorschein brachte. In „The Help“ nimmt sie erstmals die Rolle einer ruhigen, emanzipierten und selbstbewussten Journalistin ein, die sich gegen geltende Konventionen auflehnt. Diese Rolle meistert sie im Grossen und Ganzen gut und beweist damit, dass sie auch ernste Rollen souverän beherrscht. Insbesondere unterstreichen die Szenen mit ihrer Mutter (Allison Janney) das Talent des Shootingstars.
Ein letztes Wort noch zur Schauspielerin Bryce Dallas Howard (Hilly Holbrook), welche eine eiskalte, arrogante Zicke spielt und damit den Part des Bösen verkörpert. Sie wiedergibt ihre Rolle, auch wenn sie an manchen Stellen sehr kitschig rüberkommt, bestens. Als Zuschauer entwickelt man ihr gegenüber bis zum Ende eine regelrechte Antipathie.
Trotz all dieser positiven Faktoren ist der Film unseres Erachtens mit einer Laufzeit von fast 140 Minuten leider etwas zu lang geraten. The Help ist ein dramatischer Film, der durch eine gute Prise Humor ergänzt wird und einen auch nach dem Kinobesuch nachdenklich stimmt. Seit dem 8. Dezember läuft „The Help“ in den Schweizer Kinos.
Interview mit den Hauptdarstellern von „The Help“
Im Scheinwerfer erhielt die Gelegenheit mit Emma Stone (Skeeter Phelan), Viola Davis (Aibileen Clark), Octavia Spencer (Minny Jackson) und Tate Taylor (Regisseur) ein Interview zu führen.
Wie war die Stimmung am Set in Greenwood Mississippi – dem Hauptdrehort von „The Help“?
Tate: Die Dreharbeiten waren sehr aufregend und ein unvergessliches Erlebnis. Wir haben zusammen gekocht, gegessen und auch sonst viel Zeit miteinander verbracht. Klar kam es ab und zu auch zu kleinen Auseinandersetzungen (Tate lacht). Wir haben aber immer alles ausdiskutiert, uns anschliessend umarmt und danach war die Sache vergessen.
Viola: Es war eine Atmosphäre des Vertrauens. Wir sind alle sehr kommunikative und sagen, was wir denken. Nur wenn die Klimaanlage mal wieder nicht funktionierte waren wir etwas gereizt (Alle lachen).
Emma: Ja, es war eben wie im richtigen Leben. Während den Dreharbeiten waren wir sehr konzentriert am Arbeiten, aber wir hatten definitiv unseren Spass.
Im Film geht es um die Möglichkeit etwas zu verändern und aufzustehen anstatt den Status quo zu akzeptieren. Erinnert ihr euch an Momente in eurer Karriere in der ihr für etwas aufstehen musstet um etwas zu verändern?
Emma: Ich denke, dass jeder Schauspieler, Regisseur und jeder der je an einem Film gearbeitet hat, sich durchsetzten muss um etwas zu verändern. Aufzustehen und seine Meinung zu sagen ist Teil unserer Arbeit. Man muss bedenken, dass bei einem Dreh jedem seine Arbeit wichtig ist und jede Meinung zählt. Die Zusammenarbeit ist ein zentraler Bestandteil bei der Produktion eines Films. Kommt jemand zu spät zur Arbeit, kann mit dem Dreh nicht begonnen werden. Für mich persönlich ist es immer eine tollte Sache bei Filmen mitwirken zu können.
Tate: Es ist enorm wichtig ein offenes Ohr für Meinungen anderer zu haben. Manche Dinge fallen einem erst ein, wenn einen jemand am Set darauf aufmerksam macht.
Octavia: Was ich an Emma und allen anderen jungen Schauspielern am Set geliebt habe, war die Mentalität mit der sie an ihre Arbeit herangegangen sind; professionell und kooperativ. Ich finde das nicht selbstverständlich.
Octavia du spielst Minny Jackson ein mutiges Dienstmädchen, dass sich nicht zurückhält seine Meinung zu sagen und dafür auch mehrmals gefeuert wird. Was war für dich der schwierigste Teil deiner Rolle?
Der Film spielt in einer sehr prägenden Zeit für Afroamerikaner, in der Rassismus und häusliche Gewalt an der Tagesordnung waren. Ich persönlich habe solch schlimmen Erfahrungen zum Glück nie machen müssen. Es war für mich eine persönliche Herausforderung mich in diese Zeit zurück zu versetzen.
Tate, die Autorin des Buches und deine Kindheitsfreundin Kathryn Stockett war zuerst von mehreren Verlagen mit „The Help“ abgelehnt worden. Darauf hast du sie ermutigt nicht aufzugeben, was sie folglich auch nicht getan hat. Wenige Zeit danach war das Buch während 103 Wochen auf dem ersten Platz der New York Times Bestseller Liste. Ist es für dich ein persönlicher Erfolgsmoment, nun da der Film weltweit in den Kinos läuft?
Zuerst möchte ich sagen, dass ich und Kathryn uns bei der Arbeit immer unterstützt haben. Speziell war, dass ich die Rechte am Drehbuch hatte, bevor das Buch veröffentlicht wurde. Nach der Veröffentlichung waren wir uns immer noch nicht sicher, ob wir daraus einen Film machen wollten. Die Fertigstellung des Drehbuchs war für mich schon ein persönlicher Erfolgsmoment. Mit dem Erfolg in den Kinos hätte ich allerdings nicht gerechnet.
Emma, wenn du in der Zeit zurück nach Jackson Mississippi in den frühen 1960er Jahren reisen könntest, würdest du dich auch gegen die Rassendiskriminierung einsetzten, wie es Skeeter getan hat?
Das ist schwer zu sagen. Ich denke jeder glaubt, dass er die Stärke und den Glauben an sich selbst gehabt hätte um aufzustehen und gegen konservative Strukturen anzukämpfen. Man kann sich natürlich fragen, wieso es den vorher keiner getan hat. Es kommt also auf den Charakter der Person an. Ich persönlich denke, dass ich es getan hätte.
Viola, du spielt Aibileen ein Dienstmädchen, dass wie viele schwarze Frauen in dieser Zeit ihr Leben damit verbringt weisse Kinder aufzuziehen. Was waren deine persönlichen Erfahrungen in der Verkörperung dieser Rolle?
Viele Leute sind müde geworden von den damaligen Problemen und insbesondere vom Bild des unterdrückten Dienstmädchens zu hören. Zuviel war davon schon die Rede. Zuviel wurde man als Afroamerikanerin des 21. Jahrhunderts darüber belehrt. Das Problem ist, dass man irgendwann an einen Punkt kommt an dem man sich nicht mehr daran erinnert was es heisst während dieser Zeit ein Dienstmädchen gewesen zu sein. Damit vergisst man aber die Geschichte seiner Grossmutter und seiner Mutter. Wenn diese sterben, dann sterben auch deren Geschichten. Ein Dienstmädchen ist dann eben nur ein Dienstmädchen. Man setzt sie auf ein Level, auf dem sie davor schon waren. Bei der Verkörperung von Aibileen wurde mir dies erst richtig klar. Es war eine Ehre für mich diese Rolle gespielt zu haben und ich bedaure es sehr, dass die Rolle der Dienstmädchen nur einen Platz im Hintergrund der Geschichte erhalten hat.
Tate, der Film spielt zur Zeit der Segregation in den Südstaaten der USA, womit es sich um amerikanische Geschichte handelt. Gibt es eine Botschaft im Film, die alle Kinobesucher nach Hause nehmen können?
Der Film hat definitiv eine Botschaft, die alle nach Hause nehmen können. Er soll uns daran erinnern, dass wir für etwas kämpfen müssen um es zu erreichen. Es geht darum Missstände der Gesellschaft aufzudecken und kritisch zu denken. Es geht darum sich gegen Rassismus, der auch heute noch in einer abgeänderten Form vorkommt, zu erheben. Es geht nicht zuletzt auch um Hoffnung.
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