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Schweizer Musical 60er und 70er - Teil 3

I ha nes Zündhölzli azündt

Musikalisch bedeuten die sechziger Jahre z.B. die Beatles, Woodstock und in Deutschland u.a. Cornelia Froboess, die selbstverliebt und -vergessen von "zwei kleinen Italienern" schwärmte.

"Musical"-isch war das Niveau in der Schweiz eher nahe bei den besungenen "Kleinitalienern" als bei den Beatles. Doch da gab es auch die Berner Troubadours mit Ihrem Aushängeschild Mani Matter. Sein Hit "I han es Zündhölzli azündt", ein Allumette, das später fast zum Weltkrieg führt, kann auch analog für das Musical in der Schweiz angedacht werden, die Frage stellt sich: bereitete sich in diesem Zeitabschnitt das Musicalfeuer zu einem wahrhaften helvetischen Flächenbrand aus?

Schon damals galt aber 'ohne Bühne kein Musical'. So fassten sich die 'reichen' Zürcher ein Herz und bauten zwei ehemalige Verkaufsbuden, welche als Feuerwehrdepot - da haben wir wieder das "Zündhölzli" - genutzt wurden, schnurstracks zu einer Kleinbühne um, um anfänglich dem Schweizer Cabaret eine Heimat zu bieten. Es wurde das Theater am Hechtplatz geboren, welches nichts mit dem verbrannten schwarzen Musical-Hecht zu tun hat. Damit ich es nicht zu erwähnen vergesse, das Hechtplatztheater hat Hunderte von Plätzen, nämlich 260. Den bösartigen Spöttern sei aber entgegen geschleudert: Alle mit guter Sicht!!

Vorleben des Theaters am Hechtplatz: Fw-Depot (links)1964 fing das ehemalige Feuerwehrdepot dann doch Feuer - schon wieder das "Zündhölzli" -, es brach ein kleiner putziger Musicalbrand aus, der mehr als 10 Jahre loderte. Es war kein Zufall, dass es dann vor allem Cabaret-Autoren waren, die lustige Musicals in Zürich schufen. Nach der Formel Lustspiel + Lieder + Zürich = Zürcher Musical.

 

Zürcher Musical oder Zürcher Broadway

Es entstanden vier Musicals, erschaffen von einer "Dreierbande": der Brandstifter Karl Suter sowie den beiden "Hansen" Gmür und Möckel. Sie wollten beweisen, dass die 'Mähr', die Schweizer täten sich „schwär" mit der leichten Muse, nicht stimme, der Beweis gelang.

Der Zürcher Lokalmatador Karl Suter führe jeweils Regie und war zum Teil auch Mitautor. Der Autor Hans Gmür schuf neben den Musicals über vierzig meist humorvolle Bühnenstücke, in jungen Jahren war er Satiriker, sein erstes Stück schrieb er für den abstinenten Kantonsschülerverein Curia. Der erfolgreiche Komponist Hans Möckel war eine richtige "Type". Er ist wohl der einzige Songwriter, der das Kunststück fertigbrachte, seine Lieder am Klavier vorzuspielen, sie gleichzeitig mit der Zigarre im Mund deutlich zu singen und dabei... keine Asche auf die Tasten zu streuen.

Sämtliche vier Musicals wurden praktisch von den jeweils identischen bekannten Schweizer Volksschauspielern Ines Torelli, Ruedi Walter, Margrit Rainer, Jörg Schneider etc. gegeben.

Produzent war stets Edi Baur. Anhand dieser Produktionen klärte Baur auch die schicksalsschwangere Frage, inwieweit mit Subventionen und Defizitgarantien der leichten Muse durch den Staat unter die Arme zu greifen ist. In der Diskussion über den Betrag wurde unter anderem die 'tiefgehende Erkenntnis' gewonnen, Musicals gehören zur Kultur und die Beiträge bewilligt. Generell fragt man sich, wieso elitäre Opern und sogar Operetten staatlich unterstützt werden sollen und Musicals nicht.

Was ist "Golden" "Pfui" "Viva" "Bibi", das hat doch nichts mit der Schweiz zu tun; im Gegenteil, alles sind Titelelemente der vier Schweizer Musicals.

Plakat Bibi-BaluDa wäre zum Beispiel "Bibi-Balù", der erste Streich. Das 1964 uraufgeführte Gaunermusical beschreibt die Geschichte von zwei kleinen Ganoven, die einer Schweizer "Mutter Theresa" namens Bibi, welche auf der Südseeinsel Balù selbstlos Kranke pflegt, finanziell mit gesammelten Geldern helfen wollen. Die Haken an der Geschichte: weder Bibi noch Balù existieren. Unwissend zahlen die braven Eidgenossen einen Haufen von Moneten ein, eine Komödie über den Wohltätigkeitsrummel. Bemerkenswert ist auch, dass der Schweizer Volksschauspieler Ruedi Walter gleich alle 16 Nebenrollen selbst spielte. Das Musical wurde mehr als 600 Mal gespielt, beim zweihundertsten Mal verschlang man auf der Bühne glücklich eine Riesentorte zur Feier der Stunde. Übrigens, vor Tagen wurde das Stück im St. Galler Stadttheater erfolgreich wiederaufgenommen.

1967 folgte der zweite Streich: "Golden Girl", das Musical über eine Werbeagentur, deren Phantasiegestalt für die Suppenwerbung Wirklichkeit werden sollte; dafür gibt der grosse Suppenboss der Firma 'Markwalder + Markwalder' sieben Tage Zeit, dieses "Golden Girl", das Suppenkaspermädchen, zu finden.

Als Girl findet man dann die Tochter einer Putzfrau; dummerweise kann dieses nur vor Zorn, nicht aber eine Suppe kochen. Das Musical "Golden Girl" steht schon mehr in der Kritik, hat weniger Besucher, aber war gesamthaft ganz nett.

Von nun an ging es aber nicht nur "Berg ab", es folgte qualitativ ein Bergsturz. Die Sexwelle wurde 1968 in "Pfui Martina" vereinnahmt, sehr passend zu den sechziger Jahren, deren Modesymbol letztlich der Minirock war. Martina ist eine hübsche Blondine mit der Tendenz, alles durch eine rosarote Brille zu sehen. Das einzig Bemerkenswerte ist der Transvestit Waldemar, niemals aber so gut wie jener in "Hairspray" .

viva_banana_musical_1973Dennoch konnte man es nicht lassen und schuf als vierten Streich 1972 "Viva Banana", eine politische Entführung von helvetischen Revoluzzern, eine "Kidnapper-Humoreske". Na ja... man nannte das Stück auch 'Dürre Banane'.

Bedauerlich ist, dass die Qualität der vier Werke kontinuierlich nachliess, mehr und mehr wurde das Libretto ein Vorwand für lustige Nummern. Progressiv wahrnehmbar war dies bei "Pfui Martina", welchem weitgehend eine durchgehende Handlung fehlte, als eine Aneinanderreihung von Nummern herüber kam, so dass das Ganze als Revue zu betiteln war.

Bei "Viva Banana" fehlte die Dramaturgie völlig, es ist eben nicht so schlecht bei Musicals auf Shakespeare oder George Bernard Shaw zurückzugreifen.

Die Geschichte des Musicals in den USA wiederholte sich so in Zürich. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts waren die Libretti der amerikanischen Musical comedies weitgehend substanzlos, die Songs nur unzulänglich in die szenische Entwicklung integriert. Dies ist mit ein Grund, dass diese alten Stücke kaum noch gespielt werden, zum Teil liegen diese 'Spontanlibretti', die kaum mehr als Vehikel für die Musik waren und ständig geändert wurden, überhaupt nicht mehr vor.

Wurden diese Fehler in den USA mit der Zeit korrigiert, legten die Zürcher demgegenüber den 'Rückwärtsgang' ein. So gesehen ist höchstens "Bibi-Balù" und allenfalls "Golden Girl" werthaltig, um an eine Wiederaufnahme zu denken, entsprechende Gerüchte kursieren aber immer wieder.

Die vier waren 'Kleinmusicals', um erwachsen zu werden, fehlte ihnen die grosse Aufmachung und die Bedeutsamkeit der Handlung.

Gab diesem Kleinmusicaltheater ein Fisch den Namen, war es ein "schillernder Vogel", nämlich der Schauspieler Rudolf Bernhard, der 1941 das nah gelegene, ältere aber musicalmässig anfänglich unbedeutende Bernhardtheater schuf. Mit ihm und seinem Theater verbinden wir zwei doppelte logische Purzelbäume. Mitten im Krieg entstand eine neue Unterhaltungsstätte und darüber hinaus sollte ein Basler ausgerechnet in Zürich Erfolg haben. 1991 anlässlich des Geburtstagsfestleins des Theaterleins feierte man den Erfolg. Heute, Jahre später, ist der Lack weg, eine Staubschicht überschattet das Haus und verdeckt den Blick in eine klare Zukunft. Der Start für die späteren Erfolge 'richtiger' Musicals wurde 1964 mit zwei erfolgreichen Musicalfilmen gelegt. Sie kreierten beim Publikum das Bedürfnis, 'grosse Bühnenwerke' zu konsumieren.

My Fair Lady - Audrey Hepburn 1964In jenen Jahren kamen die beiden Filme "My Fair Lady" und "Mary Poppins" - das entsprechende Bühnenmusical entstand erst 2004 - in die Schweizer Kinos und beeinflussten eine ganze Generation.

Die sechziger Jahre brachten aber auch in der Schweiz die Aufführung international erfolgreicher Musicals, wobei vorwiegend Damen im Mittelpunkt standen. Die süsse Irma ("Irma la Douce"), die Heiratsvermittlerin Dolly ("Hello Dolly"), "Charleys Tante", ein Blumenmädchen ("My Fair Lady") und last but not least das küssende Kätchen aus "Kiss me, Kate". Diese Stücke waren auch in den 70zigern der Renner, dazu gesellte sich eine weitere Dame, die treffsichere Annie aus "Annie get your gun".

 

Es "flopt" meist in den 70zigern

Die siebziger Jahre brachten Erfolgsbands wie die Bee Gees oder ABBA hervor, doch auch der Schweizer Musicalmarkt hatte etwas zu bieten.

musical__udo_juergens-helden_helden_a1973 wurde ein Gastspiel am Stadttheater Luzern und in Olten von Udo Jürgens' "Helden, Helden" nach George Bernard Shaw gegeben. In Wien uraufgeführt, lief es dort ein Jahr, war beim Publikum ein Erfolg, ging auch nach Deutschland, erhielt aber teilweise sehr schlechte Kritiken - über deren Berechtigung man trefflich streiten kann.

Die Erwähnung dieses Stücks im Rahmen dieser Serie ist höchstens marginal berechtigt. Udo Jürgens zog viel später in die Schweiz. Die nur kurzen Gastspiele sind aber bezeichnend für die Wertung des Schweizer Musicalmarktes, dies gilt bedauerlicherweise bis heute.

Zur Ehrenrettung des Schweizbezugs sei bemerkt, die Hauptrolle in "Helden, Helden", der Hauptmann Blunschli, ist ein waschechter Schweizer, der sich darüber hinaus als ein begeisterter "Schweizerschokolade-" Esser entpuppt. Der Erfolg von "Helden, Helden" ist durchaus bemerkenswert, nicht vergleichbar aber mit dem aktuellen Programm "Ich war noch niemals in New York" in Hamburg des Schweizers (!) Udo Jürgens, wobei davon auszugehen ist, dass wegen der obig beschriebenen Bewertung des Schweizer Musicalmarktes das Stück noch lange nicht in der Schweiz läuft.

1975 hatte im vorab besungenen Bernhardtheater das 'Hochzeitsstück mit Musik' "Hochzeit in Hägglingen" Premiere. Bestechend ist dessen Grundidee, die Darsteller verkörpern die Hochzeitsfamilie, die Zuschauer mutieren zur "Hägglinger Hochzeits-Gesellschaft"; welche im Theaterraum schmazend dinnieren; in "Sound of Music" wird dieses Dramaturgieelement ohne "Fressorgie" übrigens auch verwendet. Den Autor Max Rüeger verbindet mit dem Autor Udo Jürgens, dass beide die erwähnten Werke nur contre cœur als Musicals bezeichneten.

rsliIm Bernhardtheater trieb im Übrigen Hans Gmür zusammen mit seinem Body Hans Möckel ab 1975 sein Unwesen, er war offenbar weder Fisch (Hecht) noch Vogel (Bernhard). "Sein Dreierschlag" bestand aus drei weitere Stücke, die aber niemals den gleichen Erfolg hatten wie Hechtplatzmusical. Psychologisch entstand damals der Minderheitskomplex des Bernhard gegenüber dem Hecht. 1975 spielte man "Z wie Zürich" (ein extrem origineller Titel), 1978 "Ciao Ticino" und später der Agatha Christi Verschnitt "Wachmeister Rösli".

Auch die Schweiz hatte in den Siebzigern weitere Musicalflops, beträchtlich aber nicht vergleichbar mit jenem von "Tanz der Vampire" am Broadway. Kein Volltreffer wurde die Sage des Schützen und Nationalhelden "Wilhelm Tell", dessen Premiere 1977 in Zürich ausgerechnet im Schützenhaus Albisgüetli war. Vielleicht musste es aber so kommen, der Gag des Stückes der sachten Entzauberung des Nationalhelden Tell ist nämlich, dass dieser nicht den Apfel auf dem Kopf seines Sohnes trifft, sondern unter Föneinfluss diesen selbst. Wie das Musical schoss er daneben.

Daneben traf auch der Bruder des Hauptdarstellers Toni Vescoli, ein Astrologe, der ausdrücklich keine finanziellen Verluste voraussagte; nicht einmal auf die Astrologie ist beim Musical Verlass. Selbst ein ausführlicher Artikel im amerikanischen Kultblatt "Variety" konnte das Debakel nicht abwenden.

Mit Hauptdarsteller Toni Vescoli, einem Laienschauspieler und Begründer der Schweizer Beatles "Les Sauterelles", wurde zum Teil zu hart umgegangen. Auf das Debakel heute angesprochen meint er, diese Technik des Musicals (ohne head sets) sei damals auf dem Niveau der 'Pfahlbauer' gewesen, die Medienkritik eine regelrechte Kampagne.

burger_juergensDie Kritik machte einen lausigen zweiten Teil, mehrheitlich ein biederes dürftiges Libretto und billige Sketches aus. Dieses Mal gab die Besucherzahl der Kritik Recht. Wenn im Durchschnitt die 1'024 Plätze pro Vorstellung von ganzen 200 Zuschauern bevölkert werden - auch hier ist die Sicht zweifellos gut - und bei Produktionskosten von SFr. 910'000.- bloss SFr. 75'000.- Besuchereinnahmen generiert wurden, geht eine Produktion auch in der reichen Schweiz pleite. Das Musical wurde 30 Tage nach seiner Premiere eingestellt, viele Prominente, z.B. Udo Jürgens, Jürg Marquard und Freddy Burger verloren Geld.

Das Gute dabei ist, ersterer machte wie figura zeigt im Musicalbereich erfolgreich weiter und Freddy Burger ist heute ein ausserordentlich erfolgreicher Musicalproduzent, der sich um das Musical in der Schweiz Verdienste in doppelter Hinsicht erworben hat. Wahres Opfer dieser Tragikomödie war letztlich der arme Schweizer Nationalheld Tell, der schmollend seit mehr als 30 Jahren in der Ecke sitzt, weil er kein eigenes Musical hatte. Doch Laien nahmen sich seiner an, vor wenigen Tagen fiel in Bern der Vorhang des neuen Tells von Kurt Käch und Barbara Andrey. Obwohl - Kunststück, es ist eine Laienproduktion - mit Mängel behaftet, aber bei einem Budget unter CHF 100'000.00 ist dies erlaubt, sind unter anderem sehr viele schöne Musiknummern zu hören. Dieser Tell könnte demnächst noch gross rauskommen.

Regenbogen und Raisin

In den 70ern gab es die Schweizer Ur- bzw. sogar Welturaufführungen der "R- Musicals", "Regenbogen", "Raisin" und "Robinson". Es sei verraten, alle waren, zumindest rückblickend betrachtet, Flops.

regenbogenDer Mann mit einem aussergewöhnlich feinen und zarten Anschlag am Klavier, im Gegensatz zu Hans Möckel (siehe oben), mit den Schweizer Musicalhits "Die kleine Niederdorfoper" und "Der schwarze Hecht" (Feuerwerk), dieser Hansdampf in allen Gassen, Paul Burkhard, verstarb am 6. September 1977. Trotz solch schlechtem Omen kam sein Musical "Regenbogen" am 30. November 1977 in Basel zur Welturaufführung, konnte aber nicht an die Grosserfolge früherer Jahre anknüpfen. Heute ist es vergessen; mit dem Musicalnamen "Regenbogen" verbindet man ein anderes Werk, nämlich "Finian's Rainbow" (deutscher Titel "Der goldene Regenbogen"). Es wurde 1947 am Broadway uraufgeführt und war wegen seiner Rassensatire und Überlänge auf der Bühne und im Kino ein Misserfolg, gerade eben läuft es wieder am Broadway. Kein geringerer als Francis Ford Coppola brachte es 1968 mit Fred Astaire und Petula Clark ins Kino. Immerhin ging es mit zwei Oscarnominierungen, also mit nicht fliegenden aber leicht wehenden Fahnen, unter.

Nun kommen wir zu einem "false friend", einem "falschen Freund". Darunter versteht man einen Begriff, der anderes erwarten lässt, als es bedeutet. Die Rede ist vom Musical "Raisin", französisch für "Trauben", was teilweise richtig ist, geht es doch um "schwarze Früchtchen", d. h. einem beinahen "Allblackmusical". Schwarze Musicals waren und sind "in". Wie einerseits beim Vorgänger "West Side Story" ist das Werk opernhaft, andererseits ist, wie bei" Hairspray" Thema die Rassenintegration. Das "Umzug-Familien-Drama" wurde 1973 am Broadway uraufgeführt und erhielt neun Tony Awards-Nominationen. Hiervon gewann es zwei, "Best Musical" und "Best actress". Hochgestochen halten die Fachleute fest, die originalsprachige Erstaufführung im europäischen Raum hätte, so schreiben sie, am 3. Februar 1979 im Stadttheater St. Gallen stattgefunden, unter grossem Jubel von Publikum und Presse. Frage: Was in aller Welt bedeutet in diesem Fall "originalsprachig"? Antwort: Auch für einfache Menschen wie mich, "Englisch". Apropos Jubel, der ist eben relativ, damals ein Erfolg, langfristig im deutschsprachigem Raum mangels "Ohrwurmqualität" für Schweizer "ungewaschene" Ohren durchgefallen und vergessen. Doch nun ist es Zeit sich dem dritten gestrandeten Musicalgut, nämlich " Robinson", zuzuwenden.

Musical "Robinson"

Der Autor und der Komponist distanzieren sich öffentlich unter grossem "Pressegezwitscher" von der St. Galler Inszenierung, die am Jahresende 1979 stattfand. Die Beiden, nämlich der bekannte Schweizer Kabarettist César Keiser und Bruno Spoerri, weigerten sich an der Welturaufführung auf die Bühne zu gehen. Schönes Theater um das Theater. Der Regisseur des obenerwähnten langfristigen Flops "Raisin" wurde vorab als neutrale Instanz beigezogen, dem Wunsch zur Nichtaufführung des Autors und Komponisten wurde nicht nachgekommen. Antipoden waren der Regisseur Gerd Palm und der Direktor des St. Galler Theaters, Dr. Wolfgang Zörner. Das Riesentheater um das Stück war das einzig Bleibende, doch entschieden sie selbst, wer das Duell für sich entschied, ein kurzer Medienrückblick:

"phantasielose Choreographie"
"Uraufführung, Höfflichkeitserfolg"
"Robinson wird kaum Furore machen"
"Musical zwischen Kabarett und Discosound"
"man sollte halt singen können"
"Gesang ist dürftig"
"Ob sich "Robinson" durchsetzen kann? Prognose negativ."

Die Inszenierung war ein offenkundiger Flop. In unseren Tagen wird solch eine Frage auch durch heute noch aktuelle Internetpräsenz beantwortet. Keiser's "Robinson" ist nicht auffindbar, bekannt ist aber das preisgekrönte leicht gesellschaftskritische Kindermusical "Robinson" von Markus Ehrhardt und Reinhard Horn, das auch in der Schweiz immer wieder von Klassen rauf und runter gespielt wird. Ähnlich dem Schweizer Nationalheld "Tell" ginge es also auch dem "Robinson", der "musicalmässig" nur mässig ist. Welche Erkenntnisse kann man diesem Topflop zusätzlich entnehmen? St. Gallen ist in der Schweiz ein Musicaltrendsetter, hatte aber auch seine Misserfolge, was die dem Theater nahestehende Kritiker vor lauter "Frühlingswallungen" einfach übersehen.

Versuchen wir uns noch ein bisschen in Statistik, die Spötter sagen, dies sei sowieso immer falsch, in unserem Fall stimmt das sogar, weil nicht alle Theater - Schande über sie - die notwendigen Daten geliefert haben.

In den sechziger Jahren wurden also insgesamt ca. 46 Mal Musicals in der Schweiz aufgeführt. In den Siebzigern wurde diese Anzahl bereits 1974 egalisiert, bis 1979 gab es ca. 88 Aufführungen, es waren dies die gängigen Erfolgsproduktionen. Das Musical war auch in der kleinen Schweiz auf dem Vormarsch.

 

 

Weitere Folgen: 

Schweizer Musical, ein Sonderfall? - Teil 1

Schweizer Musical, wie es begann - Teil 2

 
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