Wie in der Berner Zeitung vom 7. Mai und auf der Homepage der Swiss Musical Academy zu lesen ist, wird die Schule auf Ende Juni geschlossen. Leider haben wir trotz mehrmaligem Versuch keine Stellungnahme oder Kontakt zur Schulleitung erhalten.

Wer in der Schweiz die Besetzungen der Musicals ansieht, wird ab und an über den Zusatz "Absolvent der Swiss Musical Academy" stolpern. So spielen oder spielten ehemalige Schüler Hauptrollen in Dällebach Kari (Carin Lavey), Ewigi Liebi (Bild: Marianne Varga, Martina Lory), West Side Story (Stephan Luethy) und vielen mehr. Ein schöner Leistungsausweis für die SMA.
Und gerade wenn man die Häufung von Castings zu Musicals ansieht, so scheint deren Anziehungskraft stetig zu steigen und die Schliessung vermag zu verwundern, bewerben sich doch auf eine Rolle im Schnitt bis zu 150 Darstellerinnen und 40 Darsteller.
Die Swiss Musical Academy, kurz SMA, ist oder besser war seit August 2001 in Bern tätig, zuletzt zumindest in örtlicher Nähe zum Theater Bern in den Vidmarhallen. Als Grund für die Schliessung wird die Finanzkrise und somit fehlende Sponsoren, fehlende öffentliche Unterstützung wie auch sinkende Schülerzahlen angegeben, um die finanziellen Aufwendungen von bis zu 600'000 Franken jährlich zu decken. Zuletzt waren 16 Schüler an der SMA, welche den dreijährigen Lehrgang absolvierten. Die Asbildung zum Musicaldarsteller scheint vor allem einem weiblichen Bedürfniss zu entsprechen, sind es doch nur zwei Männer, welche die Kurse belegen. Vermutlich wirken 3 Stunden Ballett in der Woche für so manchen männlichen Interessenten abschreckend. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen auf der Bühne in den Produktionen in etwa ausgeglichen.
Leider fehlt in der Schweiz eine Musicalkultur, wie sie zum Beispiel Deutschland oder die Niederlande haben. Eine Show mit grösstmöglichem Werbeeffekt findet schnell einen Förderer, aber was wir an anderer Stelle bereits moniert haben und es die Schliessung der Schule auch zeigt, es finden sich leider keine Sponsoren, welche in die Ausbildung und Förderung von Schweizer Musicaldarsteller investieren.
Wir von imScheinwerfer möchten helfen, die Musicalkultur wie sie im Ausland herrscht auch in der Schweiz zu etablieren, doch dazu braucht es Mithilfe und Input aus dieser "Szene" heraus.
Gleichzeitig wie die Swiss Musical Academy haben wir den Schulleiter der StageArt Musical & Theatre School (kurz SAMTS) in Adliswil, Patrick Biagioli, zur Schliessung der "Konkurrenz", die möglichen Auswirkungen auf seine Schule und zu einigen Themen rund um die Musicalkultur befragt.
Die Schliessung der SMA tut ihm persönlich für alle Betroffenen leid. Der abschliessenden Worte von Carole Augustus, der Schulleiterin der SMA, "Founding a professional school for Musical Theater in a country that doesn't have a musical tradition has been a huge challenge" kann er durchaus zustimmen.
Nach ihm braucht es sehr viel Idealismus, gute Kenntnisse des Schweizer Marktes, ein gutes Konzept und das Vertrauen der Kundschaft, der Dozenten und der Schweizer Szene. Ausserdem braucht es sehr viel Energie und Disziplin sowie Pioniergeist, und dies ist in der Tat sehr viel verlangt.
Was die Schliessung der SMA für die StageArt Musical & Theatre School "SAMTS" bedeutet, kann er nicht wirklich sagen, denn er hat die SMA nie als Konkurrenz betrachtet. Im Gegenteil, denn er glaubt zu wissen, dass die SAMTS von Anfang an bewusst mit einem ganz anderen Konzept auf den Schweizer Markt aufgetreten ist. Die nebenberufliche Ausbildung seiner Schule verfolgt grundsätzlich eine andere Philosophie, setzt andere Ausbildungs-Schwerpunkte voraus und bietet unterschiedliche Abschlussmöglichkeiten.
Bis jetzt haben sie einzelne Anfragen von ehemaligen Studenten aus Bern erhalten, die sich nun für eine Weiterführung ihrer Ausbildung bei ihnen interessieren. Es sind auch alle, welche sich ernsthaft mit dem Konzept identifizieren können, herzlich Willkommen.
Je nach Vorkenntnisse und Talente haben die SMA-Schüler auch die Möglichkeit, bei der SAMTS gleich in einer höheren Semesterstufe einzusteigen. Da neu ab dem September 2010 auch einen Samstag-Jahreslehrgang angeboten wird, können sich auch diesbezügliche Interessenten bei Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. melden.
Das es in der Schweiz keine eigentliche Musicalkultur gibt, zumindest aus seiner Erfahrung mit Interessenten in der Schule, liegt vielleicht daran, dass viele Menschen sich unter Musical die unterschiedlichsten Shows und Werke vorstellen. So tun sich selbst die Theater schwer, wo zum Beispiel das Musical von Tom Waits einzuordnen ist, ob Schauspiel mit Musik, Musiktheater oder gar die Schublade Musical. Operetten-, Oper-, Klassik- oder Schauspielfans haben es da viel einfacher und nach seiner Meinung liegt in dieser Vielfalt auch primär das Problem.
Auch sei es für die SAMTS kein Problem, die Absolventen der Schule, sofern diese einverstanden sind, imScheinwerfer zu präsentieren. Ende Juni schliessen 2 weitere Schüler ihre 4-jährige Ausbildung ab und alle Studenten präsentieren ihre Vorträge während 4 Tagen vom 21. - 24. Juni im turbine theater in Langnau a. Albis.
Um die Musicalkultur etwas besser zu Verankern, haben wir von imScheinwerfer, ein Forum angedacht, wo auch der Kontakt Laie und Profi möglich sein soll. Patrick Biagioli würde eine solche Plattform begrüssen, wo auch Laien Informationen zu Auditionen, Kursen, Workshops etc. austauschen können, wenn er auch dessen Umsetzung sich noch nicht vorstellen kann. Hoffen wir, das imScheinwerfer jemand findet, der ein solches Forum betreuen könnte.
Von Künstler-Fanclubs, wie sie ennet der Grenze gang und gäbe sind, und dem daraus resultierenden Personenkult rund um die Darsteller, hält er persönlich nichts und findet, es fördert die Entwicklung der Künstler in eine falsche Richtung. Einen Musicalfanclub allerdings, wie es ihn mal gab, würde er aber als sinnvoll erachten.
Angesprochen darauf, wie und wo sich Laien jetzt bei seiner Schule informieren können, weisst er auf "Tage der offenen Türen" hin, welche mindestens 2x im Jahr stattfinden und wo Interessenten die Möglichkeit haben, in den laufenden Unterricht reinzuschauen und manchmal sogar mitwirken können. Die nächsten "offenen Türen" sind circa Ende September/Anfangs Oktober geplant, Infos folgen auf imScheinwerfer und der Homepage der Schule. Interessierte für einen eventuellen Ausbildungsbeginn ab September 2010 sollten sich jedoch sofort melden, denn die Aufnahmeverfahren dazu finden nur noch bis Anfangs Juni statt.
Daneben gibt es noch die Schnupperwoche. Diese sind jedoch nur für Aufnahmeverfahrenskandidaten, deren Vorsingen und Vorsprechen erfolgreich war. Wir von imScheinwerfer werden sicherlich in Zukunft einmal versuchen, einen Kandidaten redaktionell zu begleiten.
Wir danken Patrick Biagioli für die aufgewendete Zeit und die ausführlichen Antworten.
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