Die Premiere der Welturaufführung des Musicals Dällebach Kari vom 14. Juli auf der schönsten Seebühne Europas wurde vom Winde verweht und auf den Montag 19. Juli verschoben. Diese Verschiebung war auch eine Premiere, musste in den sieben Vorjahren keine verschoben werden. Die nachfolgende Kritik ist von der «Nicht-Premiere» am 15. Juli.

Im grössten Schweizer Theater am Bundesplatz ist Sommerpause und so schaffte es der Blinddarm von Hanspeter Müller-Drossaart dank dem umtriebigen Marketingchef Ueli Schmocker landauf landab in alle Zeitungen und Magazine und erreichte fast den Bekanntheitsgrad seines Trägers. Dällebach Kari war ein Pechvogel, doch zum Glück scheint es nicht ansteckend zu sein. Hanspeter Müller-Drossaart war rechtzeitig zur Nicht-Premiere wieder fit und spielt seine Rolle exzellent, obwohl die Schuhe gross sind. Diese Schuhgrösse, an welcher er sich messen lassen muss, gab kein geringerer als Walo Lüönd vor. Walo Lüönd liess sich die Nicht-Premiere nicht entgehen und sass im Publikum.
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Dies ist die erste Eigenproduktion der thunerSeespiele. Vor drei Jahren suchten sie einen einheimischen Stoff. Doch es schaffte nicht eines der eingereichten elf Stücke zur Aufführung, sondern die Randnotiz eines Autors: «...und da wäre noch die Geschichte des Dällebach Kari». Und durch die Vielzahl der «Nationalitäten» der Mitwirkenden ist dies vermutlich das erste Stück, welches noch vor seiner ersten Aufführung in vier Sprachen vorliegt, nämlich Züridütsch, Bärndütsch, Standarddeutsch und Englisch.
Auch die Wahl des Hauptdarstellers hat zuerst verwundert, ist er doch kein Musicaldarsteller. Als Hanspeter Müller-Drossaart vor zwei Jahren mit «Rockerbuebe» durch die Schweiz tourte, wurde er von Ueli Schmocker gleich als Kari angeheuert, damals noch mit Blinddarm. Und diese Wahl muss im Nachhinein als genial bezeichnet werden. Es war den Produzenten bewusst, das Hanspeter Müller-Drossaart nie wie ein Tenor singen wird, dies würde aber auch nicht zu Kari passen. Die Rolle des Kari ist heikel und bedarf des Fingerspitzengefühls. Es ist eine Rolle, welche hinter dem gespielten Witz viel Schmerz, Unsicherheit und Unglück zeigt. Hanspeter Müller-Drossaart vermag dies mit Bravour zu verkörpern so dass man glaubt, dort steht der echte Kari.
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Das Musical hat seine Höhenpunkte, wenn Kari in Aktion ist, sei es in der Beiz, auf der Brücke oder im Coiffeursalon. Wenn Kari am Anfang abseits der schwarzen Menge steht und seiner eigenen Beerdigung zusieht, so ist seine Einsamkeit spürbar. Einzig Annemarie (Carin Lavey) steht ganz in weiss auf der Bühne und hält ein paar Schuhe, seine Schuhe. Ausgehend von der Beerdigung schaut Kari auf sein Leben und die Geschichte beginnt in der Schulzeit, als er und Fritz Aeberli noch die besten Freunde sind. Die Hauptrollen sind allesamt hervorragend besetzt. Sergio-Maurice Vaglio verkörpert den Alkohol als wärs der Teufel persönlich, welcher in einem rockigen Stil die vermeintlichen Vorzüge des Alkohols anpreisst und die Seelen seiner Opfer will. David Morell als Karis Freund, Nationalrat und späterer Feind und Neider spielt den Fritz Aeberli, als sässe er nach der Sommerpause wieder im Bundeshaus. Carin Lavey als Annemarie mit einer glasklaren Stimme verdreht nicht nur Kari den Kopf. Sie will wie Kari aus ihrer Umgebung ausbrechen und bleibt doch darin gefangen.
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Die Bühne von Ueli Binggeli ist ein weiterer Star des Abends. Auf ihr ist der Zytglogge Turm und die Bögen der Berner Lauben zu sehen. Und ein sich drehender Coiffeursalon. Weil bei Tageslicht die Darsteller nicht mit Scheinwerfern aus der Masse hervor gehoben werden können ist nun bereits zum Zweiten mal ein Soundortungssystem im Einsatz. Spielt der Sänger links auf der Bühne, so wird er automatisch auch akustisch links wahrgenommen.
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Und leider wo viel Licht ist hat es auch ein klein wenig Schatten. Dieser ist in dem Moment, als das gesamte Ensemble mit roten herzförmigen Ballonen revuemässig über die Bühne tanzt. Diese Zutat gehört vermutlich zu einem Musical, ist aber oberflächlich und kitschig und stört deshalb, weil der Rest des Stückes genau dieses nicht ist. Es sind die leisen Zwischentöne, welches dieses Musical aus der Masse der anderen Produktionen dieser Grössenordnung hervorzuheben vermag.
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Walo Lüönd war nach dem Schlussapplaus sichtlich berührt und begeistert von der Darstellung seines Nachfolgers als Kari. Alles in allem eine grosse Schuhnummer welche sich die thunerSeespiele für die kommenden Eigenproduktionen angezogen haben. Der 13. Juli 2011 ist bereits im Kalender markiert.
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Podcast des RadioTop-Beitrages von Daniel Fischer:
Bildergalerie
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Cast Hauptrollen vom 15. Juli 2010
| Dällebach Kari | Hanspeter Müller-Drossaart |
| Annemarie Geiser | Carin Lavey |
| Alkohol | Sergio-Maurice Vaglio |
| Margrith Geiser | Christa Wettstein |
| Wolfram Geiser | Daniel Ludwig |
| Fritz Aeberli | David Morell |
| Frau Jenny | Patricia Hodell |
| Hirschi | Roland Herrmann |
| Otti | Eric Hättenschwiler |
| Topsy | Amanda Nikolic |
| Bedert/Lehrer | Matthias Schuppli |
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