Und dies in mehrfacher Hinsicht. So wurde es mir zum Beispiel schwarz vor den Augen, als ich die ziemlich dunkle Gewitterwolkenfront über Weesen sah und die dann langsam dem Walensee entlang kommend der Seebühne Walenstadt in den Rücken fiel. Hätte ich diesen Wetterbericht aufgrund der Radarbilder nicht schon nachmittags vorhersehen können, so hätte mich der weitere Verlauf dieser Première-Vorführung auch nicht überrascht.
Und so wurde es mir dann auch schwarz vor den Augen – dieses Mal aber eher sprichwörtlich – hinsichtlich der Möglichkeit, ich würde am Schluss wissen wie das Stück endet. Nach der Pause entschieden sich die Produzenten dafür, die Vorstellung zur Sicherheit aller Beteiligten abzubrechen. Ein meines Erachtens von Anfang an absehbares Ende und ein halbes Musical zu sehen, ist in jedem Fall ein unschönes Erlebnis, egal ob man dieses zu jenem Zeitpunkt verlassen will oder muss.
Und mir wurde dann nochmals schwarz vor Augen, als einer der Hauptdarsteller zwar wahrscheinlich feststellte, dass sein Mikrophon nur immer dann funktionierte, wenn er seinen Kopf nach rechts drehte, er aber dennoch das ihm von einem relativ unscheinbaren Helfer angebotene Handmikrofon zur Überbrückung dieser technischen Panne ablehnte. Eine gut ausgebildete Stimme – und der entsprechende Darsteller hatte zweifellos eine solche – kann unter normalen Bedingungen einen solchen Technikausfall durch eine entsprechende Anhebung der Lautstärke ausgleichen, aber nicht mehr bei Beaufort sechs bis neun. Bitte verstehen Sie dies nicht falsch. Die Sänger waren in ihrer Darbietung sehr gut und auch das Casting war gut gemacht. Jedoch sind es gerade solche Schnitzer, welche vermeidbar wären und wenn diese dann vorsätzlich nicht behoben werden, dann weiss man einfach nicht so recht was man davon halten soll.
Und letztlich sah ich dann bildlich schwarz vor Augen, weil ich wahrscheinlich zu den wenigen Leidtragenden der eigentlich noch passend gewählten Einladung von rund 150 Kaminfegern in Uniform zählte. Jedes mal wenn die Szenerie auf die rechte Seite der Bühne schaltete, dann hatte ich zwei unübersehbare Zylinderhüte in meinem Blickfeld. Ich will ja wirklich kein Misanthrop oder Kunstbanause sein, denn die Geschichte handelt ja von Tessiner Kindern, welche als Verdingbuben nach Mailand verkauft werden um dort die Kamine des norditalienischen Zentrums zu fegen, und da hat die Präsenz von einigen Kaminfegern im Publikum ihren ganz eigenen Charme. Aber wenn der normale Musicalbesucher mittels Verbot davon abgehalten wird seinen Regenschirm aufzuspannen, da aus nachvollziehbaren Gründen dies die Sicht oder Akustik beeinträchtigen könnte, so denke ich, sollte dies eigentlich auch für Zylinderhüte gelten. Vielleicht nicht aus akustischen Gründen, aber sicher aus visuellen.
Liest man die Pressemitteilung zu diesem Anlass im Internetauftritt des Musicals, so könnte man zum Schluss gelangen, dass die Vorstellung vom letzten Donnerstag ein voller Erfolg war. Ich kann diese Meinung nicht ganz teilen. Zwar waren die Darsteller in Gesang und Schauspiel sehr gut (die Texte leider ab und zu etwas holprig), das Bühnenbild ist eine gelungene Konstruktion und die Kostüme verdienen ein ganz spezielles Lob. Aber bei einer halben Vorstellung kann ich nicht beurteilen, ob die Geschichte glaubwürdig ist, ob die Darsteller bis zum Schluss eine solide Darbietung lieferten oder ob die emotionale Tiefe des Stückes mich mitreissen konnte und zu einem vollen Erfolg gehört dies alles dazu. Ich denke bei schönem Wetter, funktionierender Technik und mit Organisatoren welche die Wetterberichte nicht allzu optimistisch deuten, kann das Stück dem Publikum all diese Elemente bieten. Ich kam leider nur teilweise in den Genuss davon und dies lag nicht an den Darstellern oder der Kulisse, sondern an den Veranstaltern, welche mich letztlich insgesamt im Regen stehen liessen.





