Hair im Le Theâtre Kriens (www.le-theatre.ch)
„Where do i go“?

Am letzten Samstag „feierte“ im Le Theâtre in Kriens ein tolles, hochmotiviertes Team eine gelungene Premiere. Gespielt wird noch mindestens bis zum 02.01.2012. Seine erste Premiere feierte das gesellschaftskritische „Weltmusical“ Hair, am 17. Oktober 1967 in New York.
Hauptfigur Claude (Aris Sas) hat die Trägheit der Gesellschaft und seine spiessigen, selbstzufriedenen Hippie-Eltern satt und meldet sich freiwillig als Soldat bei der US-Army. Auf dem Weg dahin trifft er einen kunterbunten Haufen auf der Suche nach einem neuen Lebensgefühl und beflügelt vom angebrochenen Wassermannzeitalter. Diese friedliche, hier ganz in Weiss gekleidete Truppe, angeführt von Berger (Markus Neugebauer) kennt keine Grenzen, Zwänge, Moral oder politische Korrektheit. Angesagt ist dafür möglichst viel Freizügigkeit. Als Berger jedoch von seiner Donna (Irène Straub) erfährt, dass Sie ein Kind von Ihm erwartet, gerät sein Weltbild ins wanken. Claude, von der Truppe, die ihm seine Armypläne ausreden will, fasziniert, verliebt sich unsterblich in Sheila (Judith Peres). Was ist richtig, was ist falsch? Haben Berger und seine Kumpels am Ende Recht? Kann er in der Army gar nichts bewegen, wird er im Gegenteil als Hampelmann zu absolutem Gehorsam verdammt? Soll die Geschichte mit Sheila, kaum begonnen schon wieder vorbei sein?
Das Schicksal (Christian Schild) entscheidet für Ihn, er wird eingezogen. Dank einer List gelingt es seinen neuen Freunden, ihn aus der Kaserne zu holen. Zu einem sehr hohen Preis. Berger spielt an seiner Stelle Soldat und muss in den Krieg.....

Eindrücklich gelingt es der Regisseurin Marina Macura die Geschichte in der Gegenwart anzusiedeln. Trotz beschränkter Platzverhältnisse und einem spannenden Mix aus Vollblutprofis und talentierten Nachwuchskünstlern wirken die Choreographien (Stela Korljan) präzise und rund und gelingt es den Machern auch ohne Nacktszenen eine von der ersten Minute an packende, in sich geschlossene Story zu erzählen. Schlicht und trotzdem effektvoll wirken das Bühnenbild und das Lichtdesign (Markus Güdel) mit seinen grossenteils wunderbar in Szene gesetzten Projektionen. Besonderen Applaus verdient auch die Live-Band (Bruno Marti, Imbi Gassmann, Beat Wurmet, Armin Röösli/Renè Riebli) unter Leitung vom Le Thêatre-Urgestein Arno Renggli der selbst am Keyboard sitzt. Immer frisch und knackig interpretiert das Quintett die von Arno Renggli gekonnt arrangierten zahllosen Ohrwürmer wie „Aquarius“, „I got Life“, „Manchester England“, oder „Let the Sunshine in“.

Das Publikum erwartet ein gelungener, vom ersten Moment spannender Ohren- und Augenschmaus mit brillanten Protagonisten. Besonderes Lob gehört dem in jeder Hinsicht charismatischen Aris Sas. Seiner unglaublichen Präsenz und wunderbaren Stimme entrinnt kaum jemand, sei diese nun gesprochen oder gesungen. Auch die anderen Solisten Markus Neugebauer als warmherziger, selbstsicherer Berger, der stets lockere Stefan Raflaub als Hud oder der bemerkenswerte Christian Schild als quirliges Schicksal oder sexbesessener Woof verkörpern Ihre Rollen glänzend. Die kurz vor der Premiere erkrankte Irène Straub löste Ihre Aufgabe als Donna trotz angeschlagener Stimme mit Bravour. Solide auch die anderen weiblichen Solisten Judith Peres als Sheila, Julia Ramel als Crissy und Dance Captain, Fabienne Frei als Mary, Ann Kathrin Helmich als Leata, überhaupt das ganze Ensemble. In den weiteren Rollen Yvonne Bieri, Sibylle Küng, Talina Hotz, Esther Ambühl, Sven Demuth, Marco Cazzetta, Pascal Scheidegger, Marco Polloni, Remo Lifart und Simon Sommer.
Regie/Bühnenbild/Kostüme: Marina Macura
Musikalische Leitung/Arrangement: Arno Renggli
Choreographie: Stela Korljan
Ausstattung: Ulrike Radichevich
Tondesign: Christoph Besch
Regie-Assistenz: Ursula Ruf
Übersetzungen: Andréas Härry, Arno Renggli und Marina Macura
Gesamtleitung/Produktion: Sonja Greber/Andréas Härry
Weitere Infos und Tickets: www.le-theatre.ch
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