Am 22. Dezember 2011 feierte "Grease – The Musical" Schweizer Premiere im Musical Theater Basel. Die Vorstellung war ausverkauft, die folgenden sind bereits gut gebucht. Ein Erfolg, auch hier in der Schweiz, der nicht abreisst. Nicht erst seit John Travolta 1978 den singenden Verführer im gleichnamigen Film gespielt hat, ist Grease das populärste Musical der Welt. Als es am 14. Februar 1972 am Broadway dem New Yorker Publikum vorgestellt wurde, war dieses begeistert – und die Begeisterung hielt siebeneinhalb Jahre an. Grease war 1979 das am längsten gespielte Musical am Broadway. Der erste Export nach Europa misslang 1973 jedoch, in London floppte Grease und wurde bereits nach neun Monaten abgesetzt. Als der Film 1978 die Kassen der Kinos füllte, stieg die Nachfrage nach dem ersten High School Musical wieder – und Neuproduktionen gingen über alle Kontinente hinweg auf Tournee. Der Soundtrack thronte 12 Wochen als Nummer 1 in den US Charts, auch dank prominenter Unterstützung der Bee Gees, welche einige Stücke beigetragen hatten.
Eine dieser Neuproduktionen von David Gilmore gehört seit den Neunzigerjahren zu den erfolgreichsten überhaupt und ist nun in deutscher Fassung bis am 15. Januar 2012 im Musical Theater in Basel zu sehen. Im kommenden Jahr, vom 1. Mai bis voraussichtlich 28. Mai 2012, wird die Crew im Theater 11 gastieren.
Liebevoller Kitsch und schmalzige Frisuren, das Versprechen der unschuldigen und ewigen Liebe, das ist Grease. Übersetzt ist diese Neugier auf das Leben und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in rockige Musik, die naive Zuversicht ausdrückt. Eintauchen in das Feeling der Fünfzigerjahre, mit Cadillacs und Camaros welche bereits am Eingang des Musical Theaters einen kleinen Vorgeschmack geben. Damen, die in Petticoats ganz hübsch und adrett in der Lobby stehen, welcome to the fifties!
Gecasted wurde für diese Tour gekonnt, denn treffender könnte die Besetzung kaum sein. Die Choreographie sitzt schon fast perfekt an diesem Abend und nach einem etwas harzigen Einstieg finden die Darsteller auch schauspielerisch in ihre Rollen hinein. Mit viel Witz und Charme leben sie nun das High School Gefühl der Fünfzigerjahre. Mit der Besetzung von Sandy und Dany gelang wohl der absolute Coup überhaupt, das attraktive Paar ergänzt sich nicht nur äusserlich geradezu perfekt, sondern weiss auch gesanglich alleine und insbesondere im Duett zu überzeugen. Überhaupt sind die Darsteller gesanglich sehr stark, da sieht man von der erst etwas ungewohnten deutschen Sprache der gesprochenen Stellen ab. Die Übersetzung dieser Textstellen ist im Übrigen gut gelungen. Es wird schwierig gewesen sein aus einem amerikanischen High School Plot ein lebendiges Skript zu produzieren, aber gelungen ist es. Schöne Details, die doch gar nicht so unwichtig sind, wurden eingebaut. So die neunköpfige Band, welche sehr prominent über den Köpfen der Sänger thront. Oder der Besuch Elvis', welcher wunderbar selbstironisch sich selbst wohl der grösste Fan ist und aus dem sich selbst Vergöttern gar nicht mehr hinaus findet.
Was wir auf der Bühne sehen sind unbeholfene, halbstarke Teenager auf der Suche nach sich selbst, Anerkennung in der Gruppe und nach der wahren Liebe. Kaum etwas hat sich seither verändert für junge Menschen in diesem Alter. Sind doch Teenagerjahre durch grosse Unsicherheit geprägt und dumme, nicht durchdachte Aktionen an der Tagesordnung, früher sowie heute.
Poppig, rockig, bunt und laut ist die Show. Voller Glanz und Kitsch, tollen Kostümen und Frisuren. Bleibt nur zu hoffen, dass Rockabilly Style, überdimensionierte Lederjacken und enge schwarze Jeanshosen eines Tages ein Revival erleben, Männer sehen so einfach nur gut aus. Und irgendwie scheint mir, ich habe zu wenig Haarspray benutzt heute. Golden Fifties!
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