Standort: Start Musical Berichte / Rezensionen Fernlicht aufs Westend: Musical Matilda – Schule einmal anders -

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Fernlicht aufs Westend: Musical Matilda – Schule einmal anders -

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Einer der Protagonisten singt in diesem Musical den schicksalsschweren Satz: In keiner Zeit war „der Inhalt so unwichtig wie heute, nur die Form zählt“.

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Das Musical widerlegt sich diesbezüglich selbst. Es ist der Inhalt, der dieses Werk „besonders“ macht, es geht für einmal nicht um eine „ausrechenbare“ Liebesgeschichte, in der sich die Schauspieler am Schluss zusammen finden. Nein, wir haben es hier - wir alle kennen den Film - mit Eltern zu tun, die die Intelligenz ihres Kindes ablehnen.

Das Musical hat im Gegensatz zu anderen Werken faktisch drei Teile. Den ersten und den zweiten Teil und so halb während der Pause ein Intermezzo, wenn der Vater einer hochbegabten Tochter, eine Ode auf das Fernseh singt bzw. Werbung dafür macht, dass man nicht lesen soll. Erstens sei es primitiv und belaste den Kopf der Kinder, demgegenüber sei Fernseh quasi das Paradies. Die Story um eine solch eine Aussage zu postieren, muss einem erst mal einfallen. Das Schöne an diesem Werk ist wohl, dass jeder sich klüger wie diese „tummen“ Menschen, die hier zum Inhalt gemacht werden, fühlen kann. Tatsächlich ist es nicht unselten, dass Eltern nicht stolz sind auf ihre Kinder und sich genau das Gegenteil wünschen. Dem „tummen“ Elternpaar muss man attestieren, dass sie die Rollen voll glaubwürdig ausfüllen, ein gar nicht so leichtes Unterfangen.

Matilda wurde 11-mal für die Laurence Olivier Awards nominiert und gewann deren sieben Peise; noch nie hat ein Werk derart abgeräumt. Es gewann den Preis für das beste Musical am Westend. Die Wartezeiten für ein Ticket dauern bis September, - ätsch ich habe dennoch am gleichen Tag ein Ticket erhalten.

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Matilda hat neben dem Preis für das beste Musical auch den Award für die besten Hauptdarsteller bzw. beste Hauptdarstellerinnen erhalten. Hierzu mussfestgehalten werden. Der beste Hauptdarsteller gewann, der durch einen Mann gespielte strenge Lehrerin Miss Trunchbull; auch in Hairspray gibt es eine umgekehrte Rosenrolle, auch dieses Musical war ausserordentlich erfolgreich. In St. Gallen gab diese Rolle Christian Morgenstern.

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Speziell ist die Wahl der Hauptdarstellerinnen. Es sind die vier Mädchen, die gemeinsam je Matilda spielen, sie müssen sehr gut gewesen sein, denn ich hatte nur das Vergnügen, eine neue junge Matilda zu sehen. Ich gebe es zu, ich habe noch nie ein Kind derart gut spielen sehen. Generell spielen in diesem Musical viele Kinder mit, nämlich eine ganze Schulklasse, schauspielmässig wohl die begabteste Klasse aller Zeiten. Special Effekts liessen auch nichts zu wünschen übrig, da hatten wir inmitten des Stücks völlig überraschend eine Lasershow und am Schluss der Auftritt der „Russenmafia“, die beinahe das Happyend verunmöglichen, dann aber doch noch ein solches bewerkstelligen.

Dennoch habe ich die Show mit einer Sorgenfalte verlassen, die Musik fand ich nicht wirklich so überzeugend. Ein Musical zeichnet sich durch die drei S S S aus: Sound Story, Stage. Der Sound lässt zu wünschen übrig, einzig das Lied „My House“ überzeugt, es ist aber nicht ein Ohrwurm. Ein wirklicher Erfolg braucht einen solchen. So gesehen sind die beiden Hauptkonkurrenten die beim Laurence den Kürzeren zogen, zumindest gesanglich erheblich besser. In Ghost hören wir Unchained Melody, ein fantastischer Song und Shrek ist voller schöner melodisch rockiger Lieder. In diesem Bereich besteht durchaus noch Verbesserungsbedarf.

 

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