Standort: Start Musical Berichte / Rezensionen « Musical Walenstadt - Tell war nicht so toll »

Musical Berichte - Film - Theater - Oper Schweiz - Imscheinwerfer.ch

« Musical Walenstadt - Tell war nicht so toll »

Drucken

altWenn man ein Arbeitszeugnis ausstellt so gilt die Regel, dass man wohlwollend berichtet. Dieses Diktum muss umso mehr beim Musical gelten, investieren doch die Macher viel Geld und in wenigen Sekunden bei der Premiere kann der Traum - auch finanziell - zerplatzen.

Beginnen wir jedoch mit den positiven Seiten:

Der Walensee mit dieser wunderschönen Seebühne in Walenstadt ist an sich bereits ein Highlight. Teile der neukomponierten Musik - insbesondere die Songs «Manchmal» und «Keine Macht der Welt» - überzeugen. Die Hauptrolle der «Berta», gegeben von dem Schweizer Musicalstar Evelyn Suter, wird von dieser anmutig und gesanglich ausgezeichnet wiedergegeben. Auch die Inszenierung des Apfelschusses, sowie die Überfahrt des «TELLs», ist gelungen inszeniert.

Aber…

Wenn der Regisseur wenige Tage vor der Premiere die Produktion verlässt, ist dies kein gutes Vorzeichen, insbesondere wenn die Formulierung auftaucht «man hätte sich im gegenseitigen Einvernehmen getrennt.»

Vielleicht ist dieses Thema einfach zu schwierig?

Nota bene ist es aus meiner Sicht das dritte Mal, dass eine Produktion über «Tell» nicht greift.

2010 schrieb ich «Tell sitze frustrierend in der Ecke und ist enttäuscht, dass es kein richtiges Tellmusical gibt.»

Ich hatte damals die Hoffnung, die Bühne Walensee könne dies noch ändern. Diese Hoffnung war trügerisch. Aus meiner Sicht waren sämtliche frühere Produktionen von Walenstadt, nämlich die beiden «Heidis»  und «Die schwarzen Brüder» besser.

Man muss den Machern durchaus zubilligen, dass es an und für sich positiv ist, wenn regelmässig Stücke mit einem Schweizer-Bezug gegeben werden. Wieso aber das Stück bei einer teilweise schlechten Akustik ohne einen Satz auf Schweizerdeutsch - dafür in überkandideltem Bühnendeutsch - gegeben wird, ist einigermassen überraschend.

Wo in aller Welt ist denn «Swissness» angebracht, wenn nicht im Stück über die Entstehung der Schweiz in «Tell?! ». Seiner Zeit floppte 1977 auf dem Uetliberg eine andere Tellversion, diese war jedoch wenigstens originell - siehe den Apfelschuss, der sein Ziel verfehlte.

Eine andere Produktion - die Laienproduktion - von Kurt Käch und Barbara Andrey ist aus meiner Sicht immer noch die beste Auseinandersetzung mit der Figur Tell. Ein absolutes No-Go sind die moderneren, nicht in die Zeit passenden Kostüme der Gessler Adlaten. Wieso man das Stück irgendwie in eine andere Zeit platziert, ist mir sowieso unverständlich.

alt

Dieses Musical ist höchstens mittelmässig. Die Bühne ist, um etwas positiv zu schliessen, eindrücklich, ein bisschen sehr viel Holz, aber doch gelungen. Dennoch, das Publikum bedachte das Stück mit einer Standing Ovation - ich stand dann auch auf, weil ich sonst nichts mehr gesehen hätte.

Vielleicht liege ich ja komplett falsch, überzeugen sie sich selbst.

Wenn ich eine Produktion schlecht beurteile, frage ich immer noch die anwesenden Profis. Leider hatten eigentlich alle die gleiche Meinung, meinten, das Stück sei «langweilig und platt» oder diplomatischer ausgedrückt: sehr schwierig.

Trotzdem wünsche ich Walenstadt sehr viel Glück, vielleicht sehe ich das alles zu negativ.

 

Aktuelle Berichte

Musical - Agenda


Neueste Nachrichten