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Der Mann von La Mancha im Theater St. Gallen (Premierenbericht)

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Am 19. Dezember 2009 lud das Theater St. Gallen zur Premiere des berühmten Broadway-Klassikers «Der Mann von La Mancha». Nach «Miss Saigon», «Les Misérables» und «Hairspray» inszeniert Matthias Davids diesen nunmehr fast 45jährigen Stoff erneut. Hierbei stellt er unter Beweis, dass er diese Renaissance auch verdient hat. Denn diese Geschichte wird, mit sehr guten Darstellern besetzt, vor einem fantastischen Bühnenbild erzählt.

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Hervorzuheben ist Andreas Lichtenberger, der den Cervantes und den Don Quixote überzeugend verkörpert. Daneben vereinnahmt Sophie Berner als Aldonza das Publikum mit auffallender Bühnenpräsenz. Beim Publikum ebenfalls sehr beliebt, in seinen darstellenden Möglichkeiten jedoch aufgrund seiner Rolle etwas abgeschlagen, ist auch die Figur des Sancho Pansa mit Mark Hamman gut besetzt. Ein gesangliches Highlight war die Bassstimme Markus Raabs, der als Gouverneur und Gastwirt figurierte. Leider erfreute sie das Publikum mit ihrer vollen Intensität nur einmalig und viel zu kurz beim Ritterschlag.

Unbedingt bemerkenswert ist das Bühnenbild. Neben einem Turm zieren nur schlichte Tische, Bänke und die Kiste mit den Habseligkeiten Cervantes` die Bühne. Mit deren vielen Nischen und einer an der Wand herunter hängenden Stahlkette war trotz stetig wechselnder Kulisse die Kerkerlandschaft immer präsent. Die verschiedenen Kulissen werden durch Projektionen auf die hintere Bühnenwand verdeutlicht.

Ein Lob muss auch der Choreografie zuteil werden. Dies wird schon im zweiten Lied der Aldonza, «Mir ist jeder recht», augenscheinlich. Spätestens als im letzten Takt des Stückes jeder Darsteller einen der die Taverne bildenden Gegenstände ergreift und ihn auf den Punkt genau mit dem Schlussakkord auf seinen ihm angestammten Platz stellt, ist man verblüfft: Denn zeitgleich geht das Licht aus und der Zuschauer findet sich, wie selbst hineingeworfen, unversehens im Verliess wieder.

Daneben fallen die Kostüme der Akteure auf. Im Ganzen ergeben sich durch die Choreografie, die Kleidung, das Bühnenbild und das Licht optisch sehr formvollendete Eindrücke, sei es bei der Waffenwache, beim Kampf mit dem Spiegelritter oder am Sterbebett des Don Quixote.

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Es fällt einem schon schwer, dem Stück auch negative Nuancen abgewinnen zu können. Wenn etwa die Bewegungsabläufe während der Kneipenschlägerei dem Takt der Musik folgen und somit hölzern unbeholfen wirken und der Zuschauer genau bemerkt, welche Darsteller das Bühnenfechten häufig geschwänzt haben mögen, muss man zugeben, dass die Darbietung hierdurch dem Bild des Don Quixote in seiner Behäbigkeit und vertrottelten Art und Weise sehr genau trifft.

Neu und erfrischend ist der Humor, mit dem sich hier der Geschichte angenommen wird. Hinreissend komisch so die Szene, in der Aldonza und Sancho Pansa in Streit geraten, während dieser als Bote des Don Quixote eine Liebeserklärung vorträgt.

Einziger, wenn auch nicht unbedeutender Wermutstropfen sind die Lieder des Stückes. Nachdem bei der Premierenfeier propagiert wurde, die Melodien mögen den Zuschauern noch bis nach dem vierten Advent als Ohrwurm im Kopf herumgeistern muss ich eine Stunde später zweierlei festhalten. Erstens, dass seit einer halben Stunde schon der vierte Advent ist und zweitens, dass ich schon jetzt keinen einzigen Song mehr im Kopf habe. Man beginnt sich zu fragen, ob das Stück vor vierzig Jahren nicht zu Recht in der Versenkung verschwand und nur alle Schaltjahre aufgeführt wird. Hier liegt das Handicap der Veranstaltung: Eine fantastische Darbietung bettet einen musikalisch geschmacksneutralen Abend ein.

 

 

Musikalische Leitung: Christoph Wohlleben/Stéphane Fromageot
Regie: Matthias Davids
Choreografie: Melissa King
Bühne: Mathias Fischer-Dieskau
Kostüme: Magali Gerberon

Darsteller:

Cervantes / Don Quixote Andreas Lichtenberger/ Andreas Kammerzelt
Sancho Pansa Mark Hamman/ Kurt Schrepfer
Aldonza Sophie Berner
Gastwirt / Gouverneur Markus Raab
Der Padre Charlie Serrano
Dr. Carrasco/Herzog Andreas Kammerzelt
Antonia / Gypsy Dancer Sabrina Harper 
Der Barbier  Kurt Schrepfer 
Die Haushälterin  Ariane Swoboda 
Fermina  Bettina Bogdany 
Pedro (Maultiertreiber) Joel Kirby
Anselmo (Maultierreiber) Sven Olaf Denkinger
Jose (Mautiertreiber) Nilson Soares
Paco(Maultiertreiber) Gianni Meurer 
Manuel (Maultiertreiber)  Julian Schmidt
Juan (Maultiertreiber)   
Ensemble  Yannick Badier, Gabriel Galindes Cruz,
Alberto Franceschini, Jasmin Hauck,
Kristian Breitenbach, Sebastian Gibas,
David Schwindling 
   
Sinfonieorchester St.Gallen  
   

 

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