Von einem, der Erwartet hatte, verbiestert zu werden und verzaubert aus dem Musicaltheater zurückkehrte. Die Fabel von der Schönen und dem Tier ist eines der ältesten Märchen der Welt und machte als romantisches Musicalversion von Martin Doepke letztes Wochenende in Basel halt.

Was soll das denn heissen – es ist vollbracht? Wie darf man das verstehen? Hierfür muss ich etwas in meiner Musicalbewertungshistorie zurückgehen. Ich bin mir bewusst, dass ich noch nicht viele Meilensteine in dieser Disziplin geschaffen habe, dennoch kann ich guten Gewissen sagen, dass ich schon einige Tournee-Musicals gesehen habe oder zum Teil auch durchleiden musste. Tournee- Musical zeigten meiner Erfahrung nach bislang zumindest teilweise eine Mentalität von brandschatzenden Barbarenhorden, welche methaphorisch vielfach nur verbrannte Erde hinterlassen. Diese Musicals gastieren in der Regel nur wenige Tage und sind nur bedingt auf eine wohlwollende Mund-zu-Mund-Werbung angewiesen, denn nach Ablauf der Gastzeit heisst es eventuell auch einfach nur: «Neuer Ort, neues Glück». Das kann sich teilweise auf die Darbietung auswirken, was dann gewöhnlich zu eher unschönen Bildern führt und letztlich eigentlich nur die Gewissheit bleibt, dass diese durchschnittlich 120 Minuten Lebenszeit sinnlos verschwendet worden sind. Es mag daher vielleicht nicht erstaunen, dass ich den Tournee-Musicals aufgrund negativer Erfahrungen mit dem Motto «Ich habe nichts erwartet und wurde trotzdem enttäuscht» begegne.
Aber eben, es ist vollbracht. Nachdem ich «Die Schöne und das Biest» im Musicaltheater Basel gesehen habe, durfte ich aufatmen. Endlich hat es eine Tournee-Produktion erreicht, mich davon zu überzeugen, dass die Hoffnung auf sehenswerte solcher Produktionen noch nicht verloren ist. Times Square Productions zeigen auf dieser Tournee, dass man auch als mobiles Ensemble die Qualität einer Standort-Produktion erreichen, ja manche dabei sogar übertreffen kann. Die Darbietung in Basel war durchwegs professionell inszeniert. Mit einem genial einfachen Bühnenbild aus acht Drehelementen und einer durchdachten Lichtinstallation, schufen die Veranstalter drei verschiedene perspektivische Schauplätze, welche die Geschichte zwischen dem Dorf, einem Wald und dem Schloss des Biestes, hin und her trugen. Die Darsteller – allen voran die Bernerin Amelie Dobler als Bella, Alexander Di Capri als Biest, Elisabeth Sikora als gute Fee und Markus Olzinger als Gustav – zeigten durch ihre professionelle Art, dass man auch auf Tournee eine lobenswerte Leistung zeigen kann und als Zuschauer fühlt man sich in seinen Ansprüchen ernst genommen. Auch der Rest des Ensembles liefert eine solide und gute Leistung. Man merkt, dass hier Profis am Werk sind.

Einziger Wermutstropfen an diesem Abend war leider die akkustische Darbietung insgesamt. Die Musik an sich, lässt sich nicht bemängeln. Die Liedtexte sind schlüssig und mindestens ein Lied hat eine gewisse «Ohrwurmqualität». Ein Musical ist meines Erachtens dann meistens gelungen, wenn eines oder mehrere Lieder dem Zuschauer nach der Darbietung immer wieder im Kopf rumgeistern und man diese Melodie oder den Text – auch wenn meistens nur fragmentarisch – nicht mehr loslassen kann. Das gibt dem Besucher ein gutes Gefühl und die Erinnerung an den Abend verhaftet länger. Die Musik bei diesem Musical ist live eingespielt und liess an diesem Abend kein Raum für irgendwelche Beanstandungen. Die gesangliche Leistung der Darsteller war einwandfrei und auch in diesem Punkt besteht die Inszenierung die Bewertung mit einer sehr guten Note. Aber letztlich stimmte es insgesamt mit dem Ton an meinem Sitzplatz nicht ganz. Ich kann natürlich nur aus meiner Wahrnehmung berichten und kann die akustischen Gegebenheiten des Spielortes in Basel nicht in ihrer Gesamtheit erfassen. Jedoch war meiner Wahrnehmung nach die Musik Im Verhältnis zum Gesang teilweise zu laut, so dass Letzterer darin etwas unterging und man teilweise Textstellen nicht oder nur schwer verstehen konnte. Der Geschichte an sich hat dies zwar nicht geschadet, der Darbietung insgesamt halt leider schon ein bisschen.
Für alle diejenigen welche nun denken, dass es doch Schade sei, dass dieses Musical nur drei Tage in Basel verweilte, die dürfen aufatmen. Das Musical gastiert noch an weiteren Schauplätzen in der Schweiz. Unsere Agenda hält Sie diesbezüglich auf dem Laufenden.
Cast
Songtexte: Elke Schlimbach & Grant Stevens
Dialoge: Christian Bieniek
Idee / Konzeption: Andrea Friedrichs & Hans Holzbecher
Musikalische Leitung: Karel Cón
Regie: Stanislav Mosa
Choreographie: Igor Barberice
Bella: Amelie Dobler
Fee: Elisabeth Sikora
Biest: Alexander Di Capri
Gustav: Markus Olzinger
Grete: Jenniver Kossina
Ilse: Sabrina Becker
Wilhelm: Jiri Horki
Bildergalerie
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