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Interview mit Thomas Borchert, dem Grafen von Monte Christo

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Herr Borchert, Sie haben unglaublich vielseitige Talente: Sie sind Schauspieler, Sänger und Musical Star, Komponist und sind für Ihre Liedertexte schon mit dem Preis der Songpoeten ausgezeichnet worden.
Neben der Bühnenarbeit treten Sie in Soloprojekten auf und veröffentlichen CDʻs. Ist diese Vielseitigkeit ein Segen oder eine Last ?

Also eigentlich ist das einfach nur ein Segen, würde ich sagen. Es ist wunderschön, wenn einem solche Talente in die Wiege gelegt wurden und dafür bin ich sehr dankbar.
Und wie ein Gesangslehrer von mir einmal sagte: „Thomas, du hast ein Geschenk bekommen, geh mit diesem Geschenk gut um. Du bist es den Menschen schuldig, dass du dieses Geschenk weitergibst“.
Ich finde, das ist sehr, sehr schön und das ist auch weiterhin mein Lebensmotto als Künstler. Das ist ja das, wofür man auf der Bühne steht.
Da ist tatsächlich zuallererst dieses wunderschöne Gefühl, wenn man etwas geben kann und am schönsten ist das Gefühl, wenn man eins wird mit dem Publikum. Das sind die schönsten Momente.

Und, wie soll ich sagen, ich bin eigentlich in allen Genres zu Hause, weil ich mich nicht auf etwas bestimmtes festlegen möchte. Das war schon immer so und das wird auch hoffentlich immer so bleiben. Ich tanze gerne auf vielen Hochzeiten. Ich brauche das sogar, weil das eine ja auch das andere befruchtet. Ich mache keine Unterschiede, für mich ist die Bühne Bühne. Wenn ich auf einer Bühne stehe in einer Rolle, dann ist es eigentlich egal, ob es eine Musical Rolle ist oder eine reine Schauspielrolle.
Es fängt alles mit dem Schauspielen an und hört alles mit dem Schauspielen auf. Das ist der wichtigste Aspekt. Dann kommt natürlich noch das Singen beim Musical dazu. Und was die Musik anbetrifft, das ist eigentlich meine allererste Leidenschaft gewesen.
Ich habe bereits als kleiner Junge angefangen auf dem Klavier herumzutasten und zu improvisieren. Und habe mir dann, auch mit ein bisschen Unterricht, aber hauptsächlich autodidaktisch, vom Hören her das Klavierspielen beigebracht und damit hat eigentlich alles angefangen.
Mit dem Klavierspielen und mit dem Wunsch dann ein paar Jahre später mit meinen eigenen Songs und meinen eigenen Kompositionen auf der Bühne zu stehen.

Herr Borchert, Sie sind ein Mensch, welcher sich gerne neuen Herausforderungen stellt.
Was ist das für eine Herausforderung für Sie, bei dieser Welturaufführung des „Grafen von Monte Christo“ die Hauptrolle zu spielen ?

Dieses Stück gab es vorher noch nicht, das Stück wird hier gerade entwickelt, es wird geboren und das macht es zu einem ganz grossen Abenteuer. Es hat natürlich auch schwierige Aspekte, aber was überwiegt ist das grosse Abenteuer, das Entwickeln, dass ich die Chance habe, hier eine grossartige Rolle zu kreieren, gemeinsam mit dem Regisseur, gemeinsam mit den wundervollen Kollegen.
Ich habe hier wirklich wundervolle Kollegen, das kann ich nicht oft genug sagen. Und ich habe hier eine Menge Unterstützung. Für mich ist es in zweifacher Hinsicht eine Welturaufführung, es ist auch für mich, ich kann es kaum in Worten ausdrücken, eine ganz grosse Ehre,diese Rolle zu spielen.
Frank Wildhorn hat sie mir nämlich auf den Leib geschrieben. Er kam eines Tages zu mir als wir „Dracula“ gemacht haben und sagte: „Thomas, ich möchte ein Stück für deine Stimme schreiben, für dich als Schauspieler und Sänger“. Kurze Zeit darauf war es dann klar, was es werden sollte - „der Graf von Monte Christo“.
Die Filme habe ich schon als Kind gesehen und geliebt, das Buch habe ich inzwischen natürlich auch gelesen mit seinen 1ʻ200 Seiten. Es ist ein grosses Abenteuer und das Musical macht wahnsinnigen Spass. Natürlich bin ich auch ziemlich nervös, denn wie gesagt, es ist etwas ganz neues, noch nichts ausprobiertes und wir wissen noch nicht, wie es ankommen wird.

Wie ist es für sie diese Welturaufführung in St. Gallen zu erleben ?

Ich habe hier schon die Europäische Erstaufführung von „Dracula“ gespielt und deshalb ist die Stadt in einem gewissen Sinn eine gewohnte Umgebung. Es ist für mich nützlich, mich hier schon etwas auszukennen, vor allem kulinarisch, da ich gutes Essen und edle Weine schätze. Ich mag St. Gallen sehr, denn ich mag Städte, welche eine geschichtsträchtige Vergangenheit haben.
Ich kann tatsächlich stundenlang durch die Stadt wandeln und mich von ihr in ihren Bann ziehen lassen. Dazu kommt, dass ich dieses Theater in St. Gallen sehr schätze. Ich mag die Atmosphäre und ich finde es toll, dass wir hier so ein grossartiges Sinfonieorchester haben.
Hier hat man wirklich alle Möglichkeiten und das ist eine gute Voraussetzung für Erfolg. Ich fühle mich hier auch sehr herzlich aufgenommen - wiederaufgenommen ! ich freue mich, meine Dresserin Rosemarie wieder zu sehen, welche trotz ihres fortgeschrittenen Alters - ich glaube sie ist schon längst pensioniert, wieder meine Dresserin ist.
Das heisst, ich bin rundum glücklich und zufrieden hier. Auch die Probenarbeit ist eine sehr schöne und fruchtbare Zusammenarbeit. Mit dem Regisseur habe ich früher auch schon zusammengearbeitet - wir verstehen uns sehr gut und arbeiten harmonisch zusammen. Er geht auf mich ein und ich auf ihn, es ist einfach rundum ein gutes Gefühl.

Wie sind Ihre Zukunftsvisionen ? Sie haben hier in Europa ja schon so viele hoch gesteckte Ziele erreicht - ist Ihr Traum der Sprung zum Broadway ?

Die Bühnenwelt ist überall sehr ähnlich oder fast gleich - insofern mache ich da keinen Unterschied. Ich habe letzten Sommer in London „Gigi“ spielen können. Auch wieder eine andere Art von Herausforderung ein Stück in Originalsprache zu singen. Ich mache meine Ziele überhaupt nicht abhängig vom Ort, sondern von der Herausforderung, die mit der Rolle und dem Stück verbunden ist. Und dann ist es eigentlich ganz egal, wo es spielt.

Wir danken Thomas Borchert für das Interview.

 

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