Liebe Leser
Morgen findet die Premiere von der Rocky Horror Show in Basel statt. Wir haben die gleiche Produktion mit leicht verändertem Ensemble vor kurzem in Köln angeschaut. Deshalb servieren wir als Apperativ diesen Artikel. Die aktuelle Baselkritik sowie ein Interview mit Claudio Zuccolini folgt demnächst.
Ich habe mir bis anhin vier Travestieshows angetan bzw. angeschaut. Da gab es einmal jenes mit Boy George «Taboo», welches ich während der Vorstellung ver-liess, «La cage aux folles», das bald mit Erick Vock in die Schweiz kommt, «Priscilla, «Queen of the Desert», bei dem mich einzig die Kostüme begeistert haben. Diese Woche startet in Köln «The Rocky Horror Show». Dieses Musical ist insbesondere deshalb interessant, weil es vom 13. bis 18. September in Basel vorgestellt wird.
Mein Eindruck ist eindeutig: davon ausgehend, dass ich diese Art von Spektakel in der Regel gar nicht mag, war die letzte Darbietung das Musical «The Rocky Horror Show» wirklich sehenswert bzw. um es noch klarer zu sagen, sollte man sich es wirklich ansehen, auch wenn man diese Form von Unterhaltung nicht mag. Achtung: gewissen Kostgängern sei es aber gar nicht empfohlen.
Prüde oder eher konservative Menschengestalten werden sich wohl massiv von der sexualisierten Show abwenden. Religiöse Persönlichkeiten werden auch nicht derart erfreut sein und last but not least, jemand, der mit seinem Englischniveau auf dem Stand der Mittelstufe ist, wird wohl Mühe haben dem Gesamtwerk zu folgen. Einem solch potenziellen Zuschauer ist empfohlen, sich entsprechend vorzubereiten – dies ist auf jeden Fall ein guter Rat, macht doch in dieser Show das Publikum aktiv mit, beispielsweise, wenn der Erzähler versucht die Geschichte zu erzählen, wird gelangweilt dazwischen gerufen, muss das Publikum an bestimmten Stellen mit Konfetti herumwerfen. Die Interaktivität ist in jeder Hinsicht gegeben.
Zum Englischen noch ein Nachwort: das Stück wird auf Englisch dargetan, einzig der Erzähler gibt Anmerkungen und Erklärungen in Deutsch zum Besten. Da keine Über-titelung wie in Opern angeboten wird, müsste aus meiner Sicht der Erzähler mehr leisten und erklären. Otto Normalverbraucher dürfte sonst wirklich, was den Inhalt anbetrifft, überfordert sein. Dennoch – die Show begeistert. Das Publikum bedankte sich mit frenetischem Applaus.
In der Begegnung zwischen der realen und transzendenten Welt wirkt der Cast über-zeugend - es wird halt auf Englisch gespielt und ist von grosser Qualität. Die sängerischen, schauspielerischen und tänzerischen Leistungen dürfen unkritisiert bleiben.
Es ist halt schon klar - was die Darsteller anbetrifft, konnte man aus dem grossen Reservoir Englisch sprechender Musical-Darsteller schöpfen. Musikalisch überzeugt das Werk. Mir persönlich liegen mehr die Balladen, die vorab im zweiten Teil zu Ge-hör kommen, wie z.B. «Touch-A, Touche-A, Touch Me», «Rose Tint My World» usw.
Was mir letztlich als Schlusseindruck blieb, war die Tatsache, dass dieses Meister-werk von 1973 stammt – damals hatte es seine Welturaufführung. Wenn man es sich anschaut, könnte man meinen, es sei gerade erst erschaffen worden. Es war wohl in der damaligen Zeit ein Avantgard-Werk - heute ist es nach wie vor modern. Ich wage die Prophezeiung – sie werden einen spannenden Abend verbringen.
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