Standort: Start Musical Berichte / Rezensionen «The Book of Mormon» – «das beste Musical des Jahrhunderts»

Musical Berichte - Film - Theater - Oper Schweiz - Imscheinwerfer.ch

«The Book of Mormon» – «das beste Musical des Jahrhunderts»

Drucken

So tittelte ein wichtiger Kritiker diese Show am Broadway. Generell hatte wohl noch nie ein Musical in New York solche gute Kritiken erhalten. In der Folge gewann dann die Show jeden denkbaren Preis – unter anderem 9 Tony Awards im Jahre 2011. So hatte ich vor diesem Spektakel doch einigermassen Respekt und ein Positiv-Vorurteil. Verstärkt wurde dieses dadurch, weil die Show bis Ende Jahr ausverkauft ist und es sogar eine Lotterie um die begehrten Tickets gibt. Dieser Eindruck relativierte sich dann aber, als ich erfuhr, dass das auch andere nicht ausverkaufte Shows so handhaben.

the book of mormon2

Im Weiteren fand ich die Headline «bestes Musical des Jahrhunderts» ein bisschen vorschnell – dauert doch dieses Jahrhundert noch 89 Jahre. So gesehen ging ich vorurteilsfrei geläutert in die Produktion. Das Publikum hatte diesen Prozess offenbar noch nicht durchgemacht. Es kam um ein Stück zu feiern. Vom ersten Auftritt an wurde jeder Darsteller frenetisch umjubelt. Das mehrheitlich «gesetzte» Publikum war von Beginn an total aus dem Häuschen. Immerhin wollte man «das beste Musical des Jahrhunderts» sehen.

Es überrascht also nicht, dass unmittelbar nach dem Schlussakkord das Publikum seiner Euphorie durch eine Standing-Ovation Ausdruck verschaffte. Ich bezweifle, dass «The Book of Mormon» schon jetzt «das beste Musical ever» ist. Das lustigste, das ich gesehen habe, ist es aber auf jeden Fall und wohl auch ein Kandidat für das allerbeste Musical dieses Jahrhunderts – in den USA. Übrigens – auch «Billy Elliot» wirbt mit der Schlagzeile «allerbeste Show ever».

Apropos Kritik: die «verulkte» Mormonen-Gemeinschaft hat auf das Stück viel klüger reagiert, als beispielsweise die christlichen Gemeinschaften auf «Jesus Christ Superstar». Man nahm es gelassen. Dies, obwohl im  Stück gemäss mormonischen Erhebungen das «F-Wort» mehr als 200-Mal vorkommt. Es ist zwar vulgär, aber wohl auch für den Grosspapi geeignet. Entschuldigen Sie bitte also in der Folge, wenn ich das «F-Wort» auch gebrauche, da es anders schlichtweg nicht möglich ist, über das «beste Musical des Jahrhunderts» zu berichten. Trotz allem: ich glaube nicht, dass dieses lustige Werk (Musical = Musik-Comedy) in Europa Erfolg haben wird. Es ist einfach «too much». Ähnlich ging es dem amerikanischen Erfolgs-Musical «Jersey Boys». Ich sehe hierfür verschiedene Gründe.

Der Humor ist zwar etwas primitiv, trotzdem musste ich lachen und bin mit nun wohl halt auch ein bisschen primitiv.

Dennoch: es ist ausserordentlich lustig und originell. Beispiele gefälligst?: während die Darsteller über «das Licht ausschalten» singen wird es im Saal unerwartet stockfinster. Plötzlich platzt das Musical «Lion King» in «The Book of Mormon» herein, nebenbei für die einfachen Mormonen: Afrika = «Lion King». Da wird einem Mormonen «The Book of Mormon» in den Allerwertesten hineingesteckt – keine Angst, die medizinische Operation folgte gleich. Darauf singen alle Afrikaner zusammen mit den beiden mormonischen Missionaren das schöne Lied «Hasa Diga Eebowai» um dann später erschrocken herauszufinden, dass dies «Fuck The God» bedeutet. Da treten in der Hölle von Dschingis Khan bis Hitler alle Bösewichte auf. Der General «Butt fucking naked», so sein Name, wird am Ende zu einem Missionar usw. Das Ganze ist ein Riesen-Spass, hat aber auch besinnliche Elemente, beispielsweise, wenn eine Taufzeremonie zu einem Liebesduett rotiert.

Die Story ist schnell erzählt. Zwei mormonische Missionare – jene, die wir immer im Zweier-Paket im Tram sehen – wollen nach Orlando um zu missionieren, landen aber blöderweise in Uganda. Sie fühlen sich gleichgestellt und Elder Price singt das schöne Lied vom gemeinsamen Erfolg. Der Titel lautet «You and me, but mostly me». Die Afrikaner scheren sich einen Deut um «die blöden Missionare», diese haben Probleme mit Aids, Hunger, Armut und dem bösartigen General «Butt fucking naked». Das dritte Buch der Bibel «The Book of Mormon» finden sie nicht überzeugend, was Elder Arnold Cunningham dazu bringt, das langweilige Buch ein bisschen mit Star Wars usw. aufzupeppen und zu verzerren. Zwar gibt es eine Massentaufe, das Ganze ist aber nicht so «state of art». Der Missionierungs-Chef der Mormonen stellt bei einem Aufenthalt, wo er eigentlich Cunningham eine Verdienstmedaille übergeben wollte, mit Schrecken fest, dass die Uganesen aber gar nicht so doof sind. Sie erklären Cunningham, dass sie seine Geschichten als Metaphern sehen. In der Folge wird kurzum eine neue Religion geschaffen, aufgrund der Erlebniss des Missionaren, Arnold Cunningham: «The Book of Arnold». Cunningham heiratet dann wohl kurzum Nabulungi, Nikki N. James, welche für ihre Rolle, zu Recht, den Tony Award für die beste Nebendarstellerin erhielt. Songs, wie die bereits erwähnten, sowie «Sal tlay ka siti, baptise me» oder «Joseph Smith American Moses» sind einfach nur gut. Deshalb die Konsequenz von der Geschicht, verpass dieses Musical nicht.

 

Newsletter abonnieren

Nach der Registrierung erhalten Sie ein Bestätigungsmail.










Spielpläne Theater


Aktuelle Berichte

Musical - Agenda


Neueste Nachrichten