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Fernlicht auf den Broadway - «Catch me if you can» - Denkste

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Am Broadway läuft im Moment auch das Musical «Catch me if you can». Bekanntlich erzählte es die Geschichte eines Fälschers und Hochstaplers, nämlich Frank Abagnale Jr., der später quasi die Fronten wechselt und bei der Polizei arbeitet und bald danach mit seinem ehemaligen Antipoden eine Firma gründet, um nun auf legalerweise sehr viel Geld zu verdienen. Besagter Frank Abagnale Jr., zwischenzeitlich Vater von drei Söhnen und Grossvater, war bei der Show selbst anwesend und gab jedermann offen Red und Antwort. Es ist durchaus aussergewöhnlich, wenn der musicalmässig Hochgelobte selbst anschliessend dem Publikum zur Verfügung steht.

Nicht mehr speziell ist heute, dass Filme später zum Musical umgearbeitet werden, so geschehen mit «Hairspray», «Legally Blond», «Mary Poppins» usw. Früher war es eher üblich, dass es zuerst das Musical und anschliessend der Film gab – siehe beispielsweise «Hair», «Westside Story» usw. «Catch me if you can» ist insgesamt eine sehr gute, professionelle Broadway-Produktion – dennoch: ich bin der Auffasung, im Vergleich zu den vorgenannten Filmmusical gelang die Umarbeitung zum Film, die Musikalisierung nicht genau gleich gut, wie bei den Vorererwähnten.

Ich stehe mit dieser Kritik nicht alleine, insgesamt wurde das Musical von den New Yorker Kritikern geteilt aufgenommen.

Die Bestnote, die es erhielt, war ein «B». Zweierlei störte mich am Buch von Terrence McNally.

1.Es stellt das Leben des Hochstaplers Frank Abagnale quasi als Show dar. Es existieren auch Verfremdungseffekte, wobei die Schauspieler aus dem Werk heraustreten. Diesen Effekt kennen wir übrigens auch bei «Rock of Ages» bzw. effektiv von Bertold Brecht.
2.Derangiert hat mich, dass die Bigband quasi permanent auf der Bühne sichtbar ist.

Das Stück glänzt durch zwei ausgezeichnete, schauspielerische Leistungen. Erwähnt sei einzig Norbert Leo Butz, der den Agent Hanratty widergibt, er erhielt den Tony Award für den besten Hauptdarsteller 2011 – eine beachtliche Auszeichnung. Im Weiteren wurde «Catch me if you can» für drei weitere Bereiche nominiert, welches es aber nicht erhielt.

Insgesamt haben wir es mit viel Swingmusik zu tun, die hauptsächlich durchschnittlich ist. Drei Stücke sind aber richtige Ohrwürmer und machen das Ganze auch zu einem musikalischen Genuss - ich spreche von der wunderschönen Ballade «Someone else’s skin», bei «Fly away» kamen vielen Zuschauern die Tränen. Das allerschönste Lied aber ist der Song «Christmas ist My Favorite Time of Year»; daraus könnte problemlos ein neuer Weihnachtshit entstehen. Nicht goutiert habe ich das Bühnenbild – durch den permanent gleichen Hintergrund wirkten gewisse Auftritte schon fast konzertant. Demgegenüber reisst das Finale absolut von den Stühlen, insbesondere als verkündet wird, der Betrüger hätte allen Schaden gut gemacht und Mitten in diese Aussage, eine Prostituierte platzt, welche noch ein Guthaben hat. Sie reklamiert, sie sei nicht entschädigt worden und wird dann gleich unterbrochen mit dem Verfremdungseffekt «Entschuldigung, wir haben hier ein Happy End geplant».

«Catch me if you can» zeichnet sich auch durch überzeugende Ensemble-Auftritte, tänzerische Elemente und dem guten Gesang aus.


Ps: meine Frau – und dies ist der wichtigste Benchmarket – fand meine Kritik völlig daneben, «alles Blödsinn». «Catch me if you can» war aus ihrer Sicht sogar besser wie «The Book of Mormon». Womit die Relativitätstheorie wieder belegt ist und auch die Relativität von Aussagen von Ehemännern die Musicalkritier sind.

 

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