Standort: Start Musical Berichte / Rezensionen O’Brien’s Rocky Horror Show – kultiges Grusical mit gelungenem Up-Date und einem überragenden Claudio Zuccolini in der Erzählerrolle

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O’Brien’s Rocky Horror Show – kultiges Grusical mit gelungenem Up-Date und einem überragenden Claudio Zuccolini in der Erzählerrolle

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Als "Bad, Bizarre and Bloody Brilliant“ wurde die Neuinszenierung dieses äusserst erfolgreichen und verheissungsvollen Kultmusicals gepriesen. Eine klare Prophezeiung also. Eigentlich sind solche Travestieshows und Gruselparodien für mich nicht gerade erste Wahl. Das dachte ich mir im Vorfeld der Show.  Entsprechend nachlässig war die Vorbereitung für meinen Besuch dieses Stücks am vergangenen Mittwoch in Basel. Im Gegensatz zu mir und meiner Begleitung hatten nämlich die meisten der angereisten Fans der Show im ausverkauften Musical Theater in Basel die notwendigen Utensilien bei sich,  welche für das Zelebrieren des Show-Rituals unentbehrlich zu sein scheinen. Schminken, Konfettis, Klopapier, Gummihandschuhe, hochhackige Schuhe, Wasserpistole und Zeitungen gehörten zur normalen Ausrüstung. Strapse und Dessous erst Recht. Konventionell gekleidet und ohne diese Ausstattung kamen wir ein wenig puritanisch und spiessig daher. Vergleichbar mit den Protagonisten Brad und Janet in der hiesigen Show.

bild rocky

Doch man fühlt sich in dieser Show auf Anhieb wohl. Trotz einem schnellen und anspruchsvollen British English weiss dieser Dauerbrenner der Musicallandschaft jeden zu begeistern.

Die ungefähr zweistündige Darbietung ist temporeich inszeniert und spielt auf einer abwechslungsreichen wie dynamischen Bühne. In jeder Etappe dieser interaktiven Vorstellung lassen die Protagonisten richtig die Fetzen fliegen, dass es unter dem Strich eine wahre Freude ist. Diese Musical-Collage mit überzeugendem und eingespieltem Ensemble wurde durch einen in allen Lagen überzeugenden und witzigen Claudio Zuccolini in der Erzählerrolle ergänzt. Zuccolini, bisher bestens bekannt als äusserst erfolgreicher Solokünstler, integrierte sich in die Gruppendynamik des Ensembles und meisterte die Rolle des „unbeliebten“ und ausgebuhten Erzählers mit Witz und Charme. Den Höhepunkt seines Mitwirkens stellte sein Strapsen-Auftritt in der gemeinsamen Tanzszene zum The Time Warp, den er in parodistisch-lustiger Manier hinlegt.

Die Show begann mit einer beschaulichen Interpretation des legendären Titels „Science fiction double feature“ durch die attraktive Magenda (Djalenga Scott).  Was mit dem Heiratsantrag von Brad an Janet in einem tendenziell in schwarz-weiss gehaltenen Bühnenbild (meines Erachtens die Wiederspiegelung der engstirnigen Ansichten der verklemmten Gesellschaft der 50er Jahre) seine Fortsetzung nahm, mutierte rasch zu einem farben-, lichtfrohen, wilden Spektakel, als das frisch verlobte Kleinbürgerpaar das Schloss des schillernden, sexbesessenen Dr. Frank’n’Furter hilfesuchend betritt. Dort angekommen, erhalten sie nicht die durch eine Autopanne bedingte Hilfe, welche sie in einer gottverlassenen Gegend und verregneten Nacht erhofften. Vielmehr wurden sie Zeugen einer merkwürdigen, muskelbepackten Schöpfung (des Rocky), welche der bizarre transsexuelle Dr. Frank’n’furter für seine sexuelle Gelüste kreierte und just in dieser Nacht präsentieren wollte. In dieser Stimmung erleben Brad und Janet charakterliche Veränderungen, als sie sich nun von Dr. Frank’n’furter und seiner Truppe mit Sex und Rock’n’roll in die fantastisch-galaktische Welt des Planeten Transsexual auf Gedeih und Verderb verführen lassen. Sie sind nicht mehr die gleichen wie vor dem Anklopfen der Schlosstüre. Sie erleben eine sexuelle Revolution.

Alle Rollen in diesem Stück sind bestens besetzt. Hervorzuheben ist aber insbesondere diejenige des exzentrischen Dr. Frank’n’furter, welche von Rob Morton Fowler mit Herzblut gelebt und gesungen wird. In dieser Form könnte er in die Fussstapfen des legendären Tim Curry treten. Sowohl schauspielerisch als auch gesanglich (durch seine satte Röhre) setzt er sich nahezu perfekt in Szene.

Bekanntlich gibt es in der Rocky Horror Show keine Grenze zwischen dem Bühnenensemble und dem Publikum. Dieses ist extrem lebhaft und begleitet jede Handlung der Show mit entsprechenden Beilagen (Werfen mit Konfettis, Begrüssung der Protagonisten mit schrägen Zurufen, Schiessen mit Wasserpistolen, Klopapier abrollen lassen etc.) aktiv.  Großartig ist der äusserst legendäre The Time Warp-Song, welcher vom Publikum mitgesungen und mit entsprechender Choreographie gehörig getanzt wird.

Begleitet wird die ganze Darbietung durch eine hervorragend spielende Band, die für eine überwältigende Partystimmung sorgt.

Rocky Horror Show ist ein zeitloses Musical der besonderen Art mit verschiedenen Facetten. Es lässt vielfach auch zwischen den Zeilen lesen. Es geht um Aufeinandertreffen der Stereotypen, Befreiung von solchen Projektionen,  gesellschaftliche Akzeptanz durch Überwindung der Vorurteile und Predigen von Selbstlosigkeit.

Entsprechend trefflich sind die Schlussworte dieses umwerfenden Musicals ”...and crawling on the planet’s face, an insect called the human race, lost in time and lost in space and meaning…“.

Für alle, welche die Basler-Show verpasst haben und jene, welche Rocky Horror erneut miterleben möchten: von 6. bis 18. März 2012 wird dieses Musical während zwei Wochen im Theater 11 Zürich aufgeführt. Ganz im Sinne von „Let’s do the Time Warp again“.

 

 

 

 

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