Interview mit dem Altmeister der Regie Max Sieber
Wenn es noch eines Beweises bedürft hätte, dass Max Sieber diesen Titel verdient, mit der grandiosen Inszenierung von «Titanic» – einem bestenfalls mittelmässigen Musical - hat Max Sieber das geschafft. Fast keine erfolgreiche Samstagsshow (Teleboy, Verstehen Sie Spass, Stars in der Manege, Spiel ohne Grenzen, Benissimo) hätte ohne ihn derart eingeschlagen. Deshalb ist es für uns eine Ehre mit Max Sieber – dem Macher der Thuner Titanic, der wohl besten Inszenierung ever - ein Interview zu führen.
Daniel Fischer:
Was hast du für eine Beziehung zum Musical?
Max Sieber:
Ich habe in meiner ganzen Karriere immer versucht verschiedene Sachen zu machen, sei es Unterhaltungssendungen, klassische Konzerte oder auch Musicals. Ich habe mit «Keep Cool» und «Jeff» angefangen und zuletzt «Die Kleine Niederdorfoper» inszeniert. Musical ist ein Teil meiner Arbeit, womit ich mich selbst beschäftigt habe – ich habe mir nicht nur Musicals angeschaut.
Daniel Fischer:
Wie siehst du das Musical? Es gibt ja Leute, die behaupten, dass Musicals für die dummen Leute seien. Ich mag mich noch erinnern, als ich mein erstes Interview gegeben habe, stellte man mir die Frage, wie kann ein Professor Musical mögen, Das geht doch nicht?
Max Sieber:
Ich glaube, wenn ich Musicals von früher und heute anschaue, wie z.B. in New York oder London, sehe ich eine unheimliche Entwicklung. Eine grosse Anzahl der Bevölkerung hat auch durch die Musicals Zugang zur Musik bekommen. Von mir aus gesehen ist das Musical ein Türöffner geworden für jegliche Form der Kultur. Musical ist heute Musiktheater auf höchstem Niveau.
Daniel Fischer:
Wir haben ja gerade von New York gesprochen. 1997 ist «Titanic» uraufgeführt worden und hatte alle Tony-Awards gewonnen, auf der anderen Seite gibt es viele Musical, welche grössere Erfolge feierten. Was haltest du von dem Rohmaterial der «Titanic»?
Max Sieber:
Das Rohmaterial war nicht ganz einfach. Als ich Ausschnitte aus früheren Vorstellungen gesehen hatte, hatte auch ich meine Bedenken. Was mir gefehlt hat, war der absolute Ohrwurm, die starken Melodien, die Hauptrollen, vor allem war es total auf das Schiff konzentriert. In der heutigen Zeit ist das so nicht mehr machbar. Jetzt hatte ich die Chance erhalten daran zu arbeiten, einzelne Elemente rauszunehmen und andere hinzuzufügen. Beispielsweise 3 Paare mit einem unterschiedlichen Schicksal in den Mittelpunkt zu rücken, ein Schweizer Ehepaar einzuführen, das ein Zusammenzug aus verschiedenen Schweizer Passagieren, die tatsächlich auf der Titanic waren, darstellt.
Da ganze Finale neu zu konzipieren, «Näher mein Gott» als Musikteil einzubauen, Boote auf dem See nach Überlebenden suchen lassen usw.
Daniel Fischer:
Dieses Musical hat sicher sehr eingeschlagen. Der Erfolg ist ja ziemlich gross. Warst du nervös, wie hast du die Premiere erlebt?
Max Sieber:
Nervös war ich nicht, ich hatte alles so eingerichtet, dass es ohne mich läuft. Ich habe einen hervorragenden Inspizienten, eine hervorragende Regieassistentin,
Licht, Ton und Bühnenbild sind hervorragend besetzt, alles Mitarbeiter die mich perfekt unterstützten. Ich habe mir die Premiere jedenfalls auf der Tribüne angeschaut.
Ich hatte von Anfang an gesagt, wenn ich «Titanic» machen darf, dann muss es ein Spektakel werden, dann muss es gross sein und es muss zum richtigen Zeitpunkt kommen. Das Ereignis hat genau vor 100 Jahren stattgefunden. Der Zeitpunkt ist ohne Frage richtig, der Ort ist richtig, das Team ist richtig, was will man mehr.
Daniel Fischer:
Wie man hört, wurden noch nie so viele Tickets für ein Thuner Musical verkauft.
Max Sieber:
Das ist richtig, Titanic ist die erfolgreichste Produktion der Thuner Seespiele seit ihrer Gründung.
Daniel Fischer:
Für «Keep Cool» und «Jeff» hast du ja ein Prix Walo erhalten. Hast du diesbezüglich auch Hoffnungen bei «Titanic»?
Max Sieber:
Mal sehen, Preise sind eine schöne Sache, aber es spielen da eine Reihe Faktoren mit. Wenn es klappt freue ich mich und sonst bleibe ich halt bei den 4 «Prix Walo» stehen die ich schon besitze.
Daniel Fischer:
Wie sieht deine Zukunft aus?
Max Sieber:
Erst mal ein ruhiges 2013 angehen, einige Theater- und Filmprojekte stehen schon im Raum, ich nehme es gelassen. Wenn alles zusammenpasst, dann gerne - es muss nichts mehr unbedingt sein.
Daniel Fischer:
Wie siehst du generell den Musicalmarkt in der Schweiz?
Max Sieber:
Nicht ganz einfach, aber wenn wirklich die besten Kräfte des Landes zusammenarbeiten, ist das Potenzial für erfolgreiche Produktionen, wie Titanic oder Die kleine Niederdorfoper, durchaus vorhanden. Dann werden sich auch Produzenten und Investoren finden lassen.
Daniel Fischer:
Welchen Einfluss kann ein Regisseur auf eine Produktion ausüben?
Max Sieber:
Das hängt von seinen Kompetenzen ab. Wenn man wirklich frei arbeiten kann, Darsteller, Bühnenbild, Licht Ton usw. aussuchen kann, muss man auch die ganze Verantwortung übernehmen und schlimmstenfalls allein im Regen stehen.
Das ist für den Regisseur, aber auch für den Produzenten, eine ganz entscheidende Herausforderung. Bei Titanic kann ich den Regenschirm glücklicherweise zu Hause lassen.
Daniel Fischer:
Was ist das Spezielle an deiner Arbeit?
Max Sieber:
Es ist faszinierend aus einer Papiervorlage, an der man auch noch herumgebastelt hat ein Projekt werden zu lassen, das wirklich so aussieht, wie man es sich vorgestellt hat, bei dem 100 Menschen auf der Bühne stehen, jeden Abend 2800 Zuschauer Eintritt bezahlt haben und zufrieden nach Hause gehen.
Daniel Fischer:
Kannst du dir vorstellen überhaupt ganz ohne Regiearbeit zu leben?
Max Sieber:
Ich habe es noch nicht versucht und will damit auch noch ein bisschen warten.
Daniel Fischer:
Lieber Max, ich danke dir für dieses Gespräch. Es hat mir Freude gemacht.
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