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Interview mit Gabriele Caduff («Wie einst Oliver Twist»)

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475 Gabriele Caduff

Hallo Gabriele, schön, dass du so kurz vor der Premiere Zeit für dieses Interview findest. Wie kommst Du dazu, ein so grosses Projekt auf die Beine zu stellen? Erst habt Ihr ja den Verein Openair gegründet, oder?

Ich war immer eine fleissige Theatergängerin. Dann lernte ich Rolf, meinen Lebenspartner kennen, der ein eigenes Studio betreibt. Er ist Tonmeister und verfügt über umfangreiches Material, Lichtanlagen, Tonanlagen und noch vieles mehr. Das gibt eine gute Basis, auch um das Budget im Rahmen zu halten. Auch hat er lange Zeit im Schauspielhaus in Zürich gearbeitet, wohin ich ihn immer wieder begleitet habe.

Oft haben wir Stücke 20 Mal geschaut, diskutiert und überlegt was man anders oder besser machen könnte. So ist mehr und mehr der Wunsch gereift, etwas eigenes auf die Beine zu stellen. Wir haben unseren Verein mit dem Ziel gegründet, die Kreativität derLeute zu fördern. Viele in unserem Verein, gerade auch junge Leute, können Sachen machen, die sie sonst nicht machen, das ist eigentlich der Zauber und das Schöne an der aktuellen Produktion. Beispielsweise habe ich zum ersten Mal ein Drehbuch geschrieben.

«Wie einst Oliver Twist» ist die 2. Produktion des Vereines?

Letztes Jahr hatten wir ein kleine Produktion, «Die schönsten Liebeslieder aus Operette und Musical» mit der Sopranistin Andrea Viaricci und Claus Gerstmann, der auch dieses Jahr wieder dabei ist. Dabei hatten wir künstlerisch nicht viel zu tun, sondern haben uns hauptsächlich um Licht, Bühnenbild und Organisation gekümmert.

Wie kommt ihr auf Oliver Twist?

Hauptgrund ist, dass ich mit Kindern und jugendlichen Laien arbeiten wollte. Ich bin ein Riesenfan von Charles Dickens und seiner Sprache wie er das Leben beschreibt. Deshalb habe alle seine Bücher gelesen und mich für Oliver Twist entschieden. Es passt für Jugendliche hervorragend. Meine Mutter hat selber eine solche Geschichte erlebt. Sie ist im 2. Weltkrieg in Berlin aufgewachsen und wurde später in die Schweiz verdingt. Ich hätte also auch über meine Mutter schreiben können, es existieren viele Parallelen. Auch die Geschichte selber ist ja sehr spannend, ein Krimi.

Es ist auch immer sehr schwierig mit den Rechten. Irgendjemand hat mich dann darauf gebracht, die Geschichte neu zu schreiben und in die heutige Zeit zu verlegen.

Siehst Du auch Ähnlichkeiten mit den Schwarzen Brüdern? Die Geschichte von Kindern in Armut, missbraucht, ausgegrenzt?

Ja, sicher, allerdings habe ich bei den Schwarzen Brüdern in Schaffhausen nur eine kleine Rolle gespielt.

Auch habe ich von einem „Jahr 2010 der Armut" gehört.

Ja, das Jahrzehnt der Armut. Caritas möchte in den nächsten 10 Jahren grössere Initiativen zur Bekämpfung der Armut lancieren. Das habe ich erst im Zusammenhang mit meinen Recherchen für mein «Oliver Twist-Drehbuch» herausgefunden.

Passt ja auch gut. Spannend, wenn auch bedenklich, ist ja auch die Aktualität des Romanes der ja schon im Jahre 1837 erschienen ist?

Ich denke, das Thema wird immer aktuell sein, solange es Menschen gibt. Damals gab es Armenhäuser, Arbeitshäuser usw., das hat mich dann bei den Recherchen für das neue Drehbuch auf die Strassenkinder gebracht und sehr mitgenommen, aber auch fasziniert und nicht mehr losgelassen - der Überlebenskampf auf den Strassen ist unglaublich!

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Ja sicher, irgendwie kann man gar nicht so richtig begreifen das es das heute noch gibt obwohl wir fast täglich, auch in den Medien, damit konfrontiert werden.

Verletzte Menschen verletzen in der Folge wieder andere Menschen, das ist so der Kreislauf und es ist sehr schwierig da wieder raus zu kommen.

Ich habe vorher noch Henry Sauter, den Musikalischen Leiter getroffen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie du eure Produktion bezeichnen würdest ?

Ich habe es immer als Musiktheater bezeichnet. Es ist ein Theater mit insgesamt 11 Liedern. Heutzutage sind ja fast alle Theater mit Musik.

Also kein Musical?

Nein die Lieder führen die Geschichte weiter und lockern sie auf. Die Lieder zu schreiben war auch eine ganz spezielle Aufgabe und Henry ist einfach genial. Du hast eine Idee, einen Text. Du sagst ihm was du fühlst und er komponiert einen wunderbaren Song, genial!

Sehr schön, bleibt mir mich für das Interview zu bedanken. Gabriele, ich wünsch dir und dem ganzen Team eine tolle Zeit und viel Erfolg!

 

 

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