
Daniel Fischer: Mir hat ein Vögelchen gezwitschert, dass du seit Anfang deiner Karriere eine ganz spezielle Beziehung zu der «Die kleine Niederdorf-Oper» hattest, ist das richtig?
Erich Vock: Ich bin mit dem Stück aufgewachsen, da meine Mutter ein grosser Fan der Niederdorf-Oper war.
War dieses Stück der Anfang deines Erfolges?
Ja, meine Mutter sagte mir damals (1989) dass das Stück aufgeführt wird und Ruedi Walter nochmals dabei ist. Ich habe mich dann bei der «Niederdorf-Oper» bei Edi Baur beworben und er hat mich dann auch engagiert für die Rolle des «Bleichen Jüngling». Deshalb bin ich aus dem Vertrag in Deutschland früher ausgestiegen und nach Zürich gekommen. Mit dieser Rolle hatte ich dann einen ersten grossen Erfolg und habe deshalb auch eine spezielle Beziehung zur «Niederdorf-Oper».
Es wurde gesagt, dass die «Niederdorf-Oper» eventuell keinen Erfolg haben wird?
Ich würde nicht in eine Millionen-Produktion investieren und dabei denken, dass sie keinen Erfolg haben wird. Ich war überzeugt, dass das Publikum die «Niederdorf-Oper» wieder sehen wollte. Es war mir aber klar, dass man bei verschiedenen Journalisten und Kollegen damit einen schwierigen Stand hat.
Was ist eigentlich für dich ein Musical? Ist die «Niederdorf-Oper» ein Musical?
Die «Niederdorf-Oper» ist für mich mehr ein musikalisches Dialekt-Theater für singende Schauspieler und schauspielernde Sänger, das ausserdem sehr kabarettistisch ist.
Hat dich der Erfolg überrascht?
Ja natürlich, so etwas hat es in der Schweiz noch nie gegeben. (Alle Vorstellungen waren in der Premierenwoche bereits ausverkauft). Wenn man Theater produziert glaubt man immer an den Erfolg sonst würde man den ganzen Aufwand & das Risiko nicht eingehen, dass der Erfolg dann solche Dimensionen angenommen hat, ist für uns alle natürlich eine erfreuliche Überraschung.
Es gibt gute Schauspielerkollegen, die dich kritisch anschauen. «Er hat eine so tolle Rolle ergattert, obwohl er sie auch nicht so viel anders spielt.»
Der ganze Erfolg ist nicht nur mein Verdienst, sondern der von allen Beteiligten. Das grosse Ensemble mit 26 Darstellern, das Team im Hintergrund und die vier Herren, die das Stück geschrieben und komponiert haben, sind genau so wichtig. Es geht darum, dass die Leute nach der Vorstellung rauskommen, glücklich sind – und das sind sie.
Ich würde gerne in die Vergangenheit zurückgehen.. Du hast beim Goldenen im Scheinwerfer nicht wie so viele Stimmen wie erwartet erhalten.
Mein Publikum scheint nicht zu der Kategorie von Fans zu gehören, die übers Internet voten.
Wieviel hat die Produktion gekostet? Darf ich die Zahl wissen oder ist sie geheim? Verdienst du aber einigermassen dabei?
Ja.
Und wieso machst du mit der kleinen «Niederdorf-Oper» nicht weiter?
Die Produktion ist bis zum letzten Tag ausgebucht und ich möchte gerne mit einem vollen Saal aufhören.
Deine nächste Produktion «la cage aux folles» – offen gestanden, nicht mein Lieblingsstück. Wie siehst du das?
Es ist ein wunderbares Stück, es ist sehr lustig und eine hat wunderbare Musik. Es gefällt mir so gut, das ich mir das Stück zu meinem 50.Geburtstag zum Geschenk mache, denn genau am 16. Februar 2012 feiern wir die Premiere des Stücks im Bernhard Theater, zum ersten mal in der Geschichte in einer Schweizer Mundart Fassung.
Du hast ja noch ein anderes Herzensstück, die Märchenbühne – wie kam es dazu?
Ich und Hubert Spiess haben die Zürcher Märchenbühne 1994 von Ines Torelli übernommen. Edi Baur hat die Zürcher Märchenbühne 1961 gegründet, sodass wir im Herbst das 50jährige Jubiläum feiern können.
Bist du in Deutschland noch aktiv?
Nein, diese Zeit ist abgelaufen (lacht).
Du bist bekennend homosexuell. Was sagst du dazu, dass in der Schweiz das Vorurteil im Umlauf ist? In der Musical-Szene sei jeder homosexuell. Auch die Zuschauer hätten häufig eine homosexuelle Neigung.
Das ist total daneben. Es gibt Leute, die sagen, im Fernsehen seien auch alle schwul – c'est la vie, und irren ist menschlich.
Hast du noch weitere Projekte? Du wirst ja bald 50. Wirst du in Zukunft der Schweizer Musical-Macher, eine Art Fredi Burger der Schweiz.
Es gibt in meinem Kopf, viele weitere Projekte, ich rede aber nicht gerne davon, bevor ich sie realisiere. Auf der Märchenbühne spielen wir in dieser Saison zum Jubiläum Schneewittchen.
Erich Vock, ich danke dir für das Gespräch.
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