Standort: Start Show Berichte Kaya Yanar – «All inclusive!» - das war’s auch definitiv

Musical Berichte - Film - Theater - Oper Schweiz - Imscheinwerfer.ch

Kaya Yanar – «All inclusive!» - das war’s auch definitiv

Drucken

Danke vill Maaal» - so begrüsste Kaya Yanar am letzten Sonntag um 14.30 Uhr sein Publikum im ausverkauften Hallenstadion Zürich und sorgte schon zu Beginn für eine Lachrunde. Übrigens, geplant war anfangs nur eine Abendshow um 20.00 Uhr. Nachdem jedoch diese nach 2 Monaten ausverkauft war und die grosse Nachfrage anhielt, wurde eine Zusatzshow für den Nachmittag angesetzt.

kaya

Der 38-jährige Comedian stand mit légèrer Kleidung auf der Bühne. Yanar wurde mit grossem Applaus und Pfeiffereien empfangen und begann anschliessend auch gleich mit seinem Programm. So verbrachte ich den Sonntagnachmittag mit intensivem Bauchmuskeltraining.

Den Titel zu seinem brandneuen Programm hat der Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund sehr gut ausgewählt, denn hierbei bleibt niemand verschont: Ob Italiener, Spanier, Holländer, Schweden, Engländer oder nicht zuletzt natürlich – Deutsche. Da Kaya nach einem guten Singleleben nun endlich eine Familie mit Kindern möchte – also richtig klischeehaft türkisch – ist er auf der Suche nach «Frau Yanar». Und da er diese Frau nun seit 38 Jahren nicht in Deutschland gefunden hat, machte er sich auf die Suche in ganz Europa. Apropos: Ein Grund seiner Reise ist auch, dass er eine «Mix-Beziehung» haben will, resp. seine Kinder sollen Mischlinge sein. So beschrieb er seine Traumfrau als gross, blauäugig und blond – genau das Gegenteil einer «typisch» türkischen Frau.

Bei seiner Suche reiste er mit dieser Vorstellung dorthin, wo es viele solcher Frauen gibt: nach Schweden. Obwohl die Frauen im Norden doch wunderschön seien, gehe eines ganz und gar nicht: die Sprache. Denn diese mache jedes schöne Bild einer Frau kaputt, egal wie attraktiv sie sei. Ähnlich sehe es für ihn bei Holländerinnen aus. Wenn eine holländische Frau während eines romantischen Moments «Ik hou van je», was «Ich liebe dich» auf Holländisch heisst, sagen würde, müsste er ihr direkt ins Gesicht lachen. Er könne solche Frauen noch so lieben, er würde sie wegen ihrer Sprache nicht ernst nehmen. Deshalb würde eine solche «Mix-Beziehung» nicht funktionieren. Die Engländerinnen verwirren ihn wegen der «falschen» Fahrweise und die Italienerinnen würden wegen der kurzgewachsenen Körpergrösse bereits aus dem Rennen fallen.

Switchend durch die Länder Europas kritisierte der geborene Frankfurter die einzelnen Völker und deren Sprachen, wobei das Erstaunlichste am Ganzen war, dass er so gut wie zu jeder Sprache des «Opferlandes» den passenden Spruch bereit hatte. Natürlich kamen hierbei die Amerikaner nicht zu kurz und den Grund, weshalb «Frau Yanar» nicht aus dem wilden Westen kommen kann, könnt ihr selbst erraten: Es ist ebenfalls wegen der Körpergrösse, dieses Mal jedoch nicht wegen der Höhe, sondern wegen der Breite. Nach einer Stunde und leider keinem Ergebnis seiner Suche beendete Kaya den ersten Teil seiner Show – zum Glück – denn mein Kiefer brauchte eine Erholungspause.

«All inclusive!» ist Kaya Yanar’s vierte Bühnenshow. Berühmt wurde der Frankfurter Comedian jedoch mit seiner Comedy-Sendung «Was guckst du?» im Jahre 2001, wofür er im selben Jahr den Deutschen Comedypreis, den Deutschen Fernsehpreis sowie den Goldenen Romy erhielt. Darauf folge ebenfalls der CIVIS Medienpreis. Ebenfalls brachte der Komiker und Fernsehmoderator in den folgenden Jahren diverse CD’s und DVD’s heraus, wie z.B. im Jahre 2001 «Suchst du», 2003 «Welttournee durch Deutschland» oder 2008 «Made in Germany Live». 2005 bekam er auch die «Grüne Palme» für besondere Verdienste für die Völkerverständigung. Seit 2009 steht Yanar gemeinsam mit Jürgen Vogel und Cordula Stratmann bei «Schillerstrasse» auf der Bühne.

Nach der 15-minütigen Pause war der Globetrotter wieder zurück – seine Stimme auf jeden Fall, denn man hörte ihn reden, man sah ihn jedoch nicht. Prompt tauchte er Mitten im Publikum auf und meinte, er wolle sein Multi-Kulti-Publikum doch Mal aus der Nähe betrachten. Nach einem kurzen Rundgang hüpfe er jedoch wieder auf das Vertraute – die Bühne – zurück und fuhr mit dem zweiten Teil seiner Show fort, welchen er eher im Sinne von «freestyle» aufgebaut hatte. Zuerst begann er von seiner Kindheit und Erziehung zu erzählen, wobei er sich zwischendurch immer wieder Sprüche auf und über andere Sprachen nicht verkneifen konnte und diese trotz «running gags» zu einer Lachrunde führten. Auch schlüpfte der Komiker gegen Ende des zweiten Teils in seine einzelnen bekannten Rollen wie z.B. «Hakan» oder «Ranjid» aus seiner TV-Show «Was guckst du?». Dabei war das Unglaublichste, wie gut dieser Mann mit seiner Stimme umgehen kann. Zuerst hörte man den fast akzentfreien Türken «Hakan» mit «Du sollst nicht schaun» und in der nächsten Sekunde den netten Indern «Ranjid» mit der 2 Oktaven höheren, indischen Stimme. Wenn man Kaya nicht kennen und ihn nur hören würde, könnte man meinen, dass drei Personen auf der Bühne stehen. Ebenso bewundernswert waren dabei seine Mimik und Gestik – so ein wandelbares Gesicht habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Im Vergleich zu seinem Bühnenkollegen, Bülent Ceylan, verkleidete er sich auch nicht für die verschiedenen Rollen und trotzdem hat man ihm die Figur abgekauft.

Mit einer Zugaberunde, wobei das Publikum sich eine «Kaya-Rolle» wünschte, rundete der Frankfurter Comedian seine Show ab und verliess die Bühne, wie er sie betreten hatte mit «Danke vill Maaal». Es war auf jeden Fall ein amüsanter, lustiger und gelungener Sonntagnachmittag und ich hoffe, dass wir Kaya Yanar nächstes Jahr wieder auf der Zürcher Bühne erleben dürfen.

 

Newsletter abonnieren

Nach der Registrierung erhalten Sie ein Bestätigungsmail.










Spielpläne Theater


Aktuelle Berichte

Aus der Agenda


Neueste Nachrichten

Meist gelesen