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Bülent Ceylan – «Ganz schön Turbülent»

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Pünktlich um 20.00 Uhr wurden die Lichter letzten Freitag im ausverkauften Hallenstadion in Zürich gelöscht und die Zuschauer warteten gespannt auf den 35-jährigen Mannheimer Deutsch-Türken Komiker, Bülent Ceylan. Die Bühne war einfach aufgebaut: 5 blau beleuchtete Säulen waren aufgestellt und ein Einkaufswagen stand vorne dran - warten Sie ab, später wissen Sie wieso. Das Publikum hatte sich erstaunlicherweise multikulturell aufgestellt – wobei ich dabei erwähnen muss, dass ich eher eine Stadionstimmung erwartet hatte, wie bei einem Heimspiel der türkischen Nationalmannschaft. Ceylan spazierte mit schnellen Schritten – wie vermutet begleitet mit Rockmusik – auf die Bühne und begrüsste das Publikum laut mit «Züüürriiii». Die Fans empfingen ihn klatschend und pfeifend, was – kurz nach der Ruhe der Begrüssung und dem ersten scheuen Satz und deutschem resp. mannheimer Dialekt von Ceylan mit «Grüezi» – sofort wieder begann.

Nach diesem «Riesenempfang» startete der deutsche Stand-Up-Comidian mit seinem Programm «Ganz schön Turbülent», wofür er dieses Jahr die Auszeichnung «Goldene Schallplatte 2011» erhielt. Seine Show hatte er blockweise aufgebaut, wobei er bei jedem Abschnitt eine andere Rolle spielte. Zuerst war er der «Harald, der arbeitslose Arbeitsloser», dann verwandelte er sich zum «Gemüsehändler Aslan – der personifizierte türkische Kulturbeutel». Nach jedem einzelnen Act resp. jeder gespielten Geschichte liess er die Gags vom Publikum mit Applaus abrunden und die Lichter wurden symbolisch kurz gelöscht – was ich für einen Stand-Up-Auftritt fast etwas speziell resp. «alte Schule» finde. Mir würde es besser gefallen, wenn er die einzelnen Personen mit einem Übergang spielen würde, anstatt er nach jedem Block einen Cut macht, so dass die Show fliessend wirkt. Trotzdem muss ich erwähnen, dass ich – obwohl ich nicht viel von deutschem Humor halte – schon lange nicht mehr so viele Tränen gelacht habe. Das war schlichtweg Muskeltraining für meinen Kiefer. Abgsehen davon, dass er das Publikum «Die Muppet Show» nannte, brachte er zwischen den Gags immer wieder die paar gelernten «Schwiitzerdüütsch-Begriffe», wie «brünsle», «Finger ab de Röschti» oder «Rutsch mr de Buggel dürab» mit seinem deutschen Akzent– obwohl sein mannheimer Deutsch ja auch z.T. ähnlich wie Schwiitzerdütsch klingt. Das machte den Comidian noch symphatischer. Auch verkleidete sich Ceylan bei jeder Rolle und hatte sein Equipment im Einkaufswagen – ja, es ist dieser Einkaufswagen – auf der Bühne verstaut, auf welchem übrigens «Respekt! Kein Platz für Rassismus!» stand, da er sich unter anderem auch für Anti-Rassismus Projekte einsetzt. Übrigens hat Ceylan in seiner 10-jährigen Komiker-Karriere auch Preise gewonnen: 2001 den Bielefelder Kabarettpreis, 2002 Kleinkunstpreis des Landes Baden-Württemberg, 2009 den deutschen Comedypreis «bester Newcomer», 2010 den Civis Medienpreis, 2011 die goldene Schallplatte für die DVD «Bülent Ceylan – Live!» und 2011 die goldene Schallplatte für die DVD «Ganz schön Turbülent».

Der erste Teil war knapp nach einer Stunde fertig und während der viertelstündigen Pause erkannte man die lächelnden und begeisterten Gesichter der Zuschauer. Für den zweiten Teil versprach er noch mehr «Turbülenz» und einer seiner ersten Knüller sollte «Anneliese» sein, die Neuigkeiten von der «Fellatio», von der letzten Pelzmesse mitgebracht hatte. Leider fand ich diesen Part der Show den schwächsten, die Lacheffekte waren nicht so da und «Anneliese» war fast ein bisschen nervig mit ihren Geschichten darüber, was ihr Trieb so macht und was ihr Mann so treibt. Obwohl ich hinzufügen muss, dass der Mannheimer auch als Frau gut aussehen würde, die langen Prachthaare hätte er ja bereits. Die folgenden Acts waren dann aber mindestens so lustig, wie die im ersten Teil.

Nach einer Stunde neigte sich die Show dem Ende zu und die letzte Rolle hatte Ceylan «freestyle» vorbereitet, das heisst, er machte quasi einen Remix von allen gespielten Personen, so war er zuerst Harald, in der nächsten Sekunde kam ein «Ja nur Schipass» von Aslan und so tauchte er ca. zwei Minuten lang switchend von einer Rolle zur anderen ein. So beendete er seinen Auftritt, bedankte sich mit «Danke Züüüri» und bekam vom Publikum als Dankeschön eine Standing-Ovation. Aber das beste am Finale sollte erst noch kommen: nach diesem Riesenapplaus wurden die Lichter eingeschaltet und siehe da – plötzlich spazierte Ceylan zum Publikum hinunter und animierte alle Rockliebhaber dazu – er ist ja selber auch Rockliebhaber - nach vorne zur Bühne zu gehen. So verwandelte der Komiker innert fünf Minuten die Showbühne zu einem Rockkonzert, begleitend zur Musik schüttelte er seinen Kopf – die langen Haare passen hier natürlich perfekt – hinauf und hinunter und regte die vorne angesammelten Rocker im Publikum an, mitzutanzen und alle anderen mitzuhüpfen.

So war nach zweieinhalb Stunden diese grossartige und überwältigende Stand-Up-Show auch vorbei – noch eine kleine Info hierzu: die Daten der Auftritte von Bülent Ceylan vom nächsten Jahr stehen bereits fest. Am 24. Mai 2012 wird er in Basel und am 25. Mai 2012 wieder im Hallenstadion in Zürich die Bühnen rocken. Ich freue mich bereits jetzt darauf und kann diese sehenswerte Show einfach nur empfehlen. Man muss Bülent Ceylan einfach erlebt haben.

 

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