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Rammstein – Made in Germany

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Wenn das Publikum 90%-Männeranteil aufweist und überwiegend schwarz gekleidet ist, befindet man sich an einem Metal Konzert. Oder bei einem Neue Deutsche Härte Konzert. So auch am 12. Dezember 2011 als Rammstein erneut nach Zürich kamen. Das Hallenstadion restlos ausverkauft, 12'500 Karten insgesamt. Mit der gelebten deutschen Pünktlichkeit starten die Berliner um 20.57 Uhr. Pyrotechnik wird schon gleich zu Anfang eingesetzt, eine Brücke, welche von der kleinen B-Stage, die in der Mitte des Zuschauerraums platziert ist, zur Mainstage reicht, wird unter Einsatz von Feuerwerk von der Decke des Stadions heruntergelassen. Paukenschläge begleiten das Ganze, die Band schreitet in den Zuschauerraum ein wie zu einem Kampf. Wie einst Henry Maske oder Muhammad Ali leben und lieben sie den wirkungsvollen Auftritt. Die Rammsteinfahne wird geschwenkt, die Schweizer Flagge auch gleich mit. Der Einmarsch dann über die B-Stage, die Brücke und auf die Bühne. Till betritt die Bühne als letzter.

Jede Band ist so gut wie ihr Frontmann. Bei Till Lindemann handelt es sich um einen männlichen, animalisch sexuellen und starken Leader, der die Massen antreibt und Charisma versprüht wie pyrotechnisch erzeugte Funken. Das es bei einem Rammstein Konzert abgeht, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Obschon die Texte und die Performance mit eben dieser Institution recht wenig zu tun haben. Texte wie: „Bück dich, befehl ich dir! Wende dein Antlitz ab von mir! Das Gesicht ist mir egal, bück dich, noch einmal“ sind weder jugendfrei noch lassen sie Raum für Zweideutigkeit offen. Das mit Till jedoch ein begnadeter Texter am Werke ist sieht man bei Stücken wie bei „Haifisch“ oder „Dalai Lama“. Keine geringeren als Brecht und Goethe werden hier neu interpretiert und verfasst.

Gesellschaftskritisch auch, Missstände nicht bemängelnd, sondern beschreibend. So in „Wiener Blut“ zum Josef Fritzl Vorfall in Österreich. Immer am Rande des guten Geschmacks, mehr am Rande des schlechten, alle Tabus brechend, polarisierend und aufs Blut reizend. Nichts für schwache Gemüter, nichts für Heuchler. Brachial, radikal und dies mit einer Musik verstärkt, die schlichtweg passt und rumst. Um die 100 Dezibel werden gut erreicht, die knallenden Feuerwerkskörper kommen zu dieser Lautstärke noch zusätzlich hinzu.

Die Show beginnt heiss, bis zu den Sitzplätzen steigt die Hitze der riesigen Flammen aus den Flammenwerfern auf der Bühne. Wie heiss es in den vorderen Reihen oder sogar auf der Bühne sein muss, kann man nur erahnen.

Das Bühnenbild ist industriell gehalten, Zellwände im Hintergrund, riesige eigenartig wirkende Lampen hängen von der Decke. Zu den letzten Stücken kommt zum Hintergrund noch eine grosse Turbine hinzu. Bei „Du hast mich“ gibt es die volle Dröhnung, die Boxen des Hallenstadions geben alles her. Der ganze Saal singt mit, 12'500 Menschen. Bei „Haifisch“ steigt Christian Lorenz, der Keyboarder in ein Schlauchboot und lässt sich durch das Menschenmeer tragen. Die Hauptbühne wird nun wieder dunkel, Tribalklänge erklingen, auf der kleinen Bühne wird nun die Musik gespielt, die Brücke zwischen den beiden Bühnen wird wieder herunter gelassen. „Bück dich“ wird angespielt, die Bühne taucht in den Scheinwerferkegel. Aus der Tiefe der Bühne kriechen nun vier der Bandmitglieder mit nacktem Oberkörper auf allen vieren und an der Leine geführt von einer hausmütterlichen, blondgelockten Domina auf die Brücke. Die Domina entpuppt sich als Doom, der Schlagzeuger.

Rote Scheinwerfer und rotes Konfetti sind gut eingesetzt bei „Amerika“. Das Konzert neigt sich dem Ende zu, doch nicht bevor der Saal tobend „Ich will“ mit Till singen konnte. Als der Frontmann mit enormen Engelsflügeln bei „Engel" auf der Bühne steht, die im Übrigen auch brennen und Feuer speien, gleicht er doch eher einem gefallenen Engel als einem der guten Sorte. Dem Publikum wird zum Schluss bei „Pussy“ Ehre gezollt, die Gitaristen, der Keyboarder und der Leadsänger stehen in einer Linie vor dem Publikum und geniessen den Anblick des vollen Hallenstadions, einzig der Drummer musste hinten bei seinem Instrument bleiben. Als Till nun noch die Schaumkanone in Phallusform reitet und den vordersten Reihen ein Schaumbad verpasst, scheint es schier unglaublich, dass sie für diese Einlage in den USA eine Busse von 25 US Dollar erhalten haben. Spritziges Ende, hier wird viel geboten fürs Geld, das Ticket ist jeden Franken wert.

A propos Geld: „Wir kommen gerne in die Schweiz, denn hier tragen wir unser Geld hin.“ Ein Hoch auf die Schweizer Banken dann!

 

 

 

 

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