Die 27-jährige Jazzsängerin Melody Gardot hatte 2009 ihren ersten Auftritt beim Blue Balls Festival Luzern und kehrte nun wieder zurück, um am 4. Tag des Blue Ball Festivals 2012 ihr Publikum im Konzertsaal des KKL zu begeistern.
Melody Gardot erlitt im Alter von 19 einen schweren Unfall, der zu bleibenden Schäden führte, Gehbehinderung und erhöhte Lichtempfindlichkeit. Eigentlich hatte sie ursprünglich Modedesign in Philadelphia studiert. Der über einjährige Krankenhausaufenthalt nach dem Unfall brachte sie über ihre Musiktherapie dazu, Gitarrespielen zu lernen und sich mit Jazzgesang zu beschäftigen. Sie veröffentlichte die im Krankenhaus entstandenen Songs auf ihrer ersten EP „Some Lessons: The Bedroom Sessions“. Ihr erstes CD-Album folgte 2008. Die früheren Alben haben eher einen melancholischen Grundton; das in diesem Frühjahr erschienene dritte Album „Absence“ sind dagegen von Reisen nach Portugal, Brasilien, Marokko, Argentinien beeinflusst. Es beinhaltet sehr lebendige, luftige Stücke, die in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Gitarrist Heitor Pereira entstanden und Fado-, Tango- sowie Sambaelemente miteinander kombinieren.
Das Konzert in Luzern beginnt stimmgewaltig, ganz im Kontrast zur minimalen Begleitung durch die Band und zur gedimmten Beleuchtung. Zunächst ein paar ältere Lieder, dann der Stimmungswechsel zu spanischen Gitarrenklängen und dem neuen Song “Mira“. Das Publikum gewinnt Meloday Gardot spätestens, als sie – während der Vorstellung ihrer Band – eine Stewardess mit französischem Akzent imitiert: „I like to introduce you to a man that I call Mr. Everything and I’m not gonna tell you why!“ Nach der kurzen Unterhaltungseinlage bekommt auch die Band die Chance, ein wenig mehr in den Vordergrund zu treten. Ein beeindruckendes Saxophon-Solo, in das nach und nach die zwei (!) Schlagzeuge, das Cello und die Gitarre einstimmen, verbreitet Samba-Stimmung im gesamten Saal.
Dann ein erneuter Wechsel zu gefühlvollen Songs wie „Les étoiles“ und „So we meet again my heartache“. Für „Baby I’m a fool“ greift Melody Gardot erstmals selbst zur Gitarre. Geschickt heizen sie und ihre Band das Publikum mit einem Gospel-Song wieder auf, bis zu „Iemanja“ alle mitsingen, klatschen und sich vom den Song abschliessendenTamburin-Solo einmal mehr begeistern lassen. Auf dem 3. Rang hält es jetzt niemanden mehr ruhig auf dem Sitz: mindestens wackeln die Knie, klatschen die Hände. Einige Herren lassen sich zu verzückten Zwischenrufen hinreissen – Melody hat alle im Griff und auf ihrer Seite. Jazz war gestern – heute ist Melody! Im Parkett Standing Ovations! Zugabe!!! Der Saal brodelt schon vor dem erneuten Auftreten von Melody, die Drummer liefern sich ein Trommelduell á la Safri Duo und bringen die Stimmung endgültig zum Kochen! Derweil kehrt auch der Rest der Band zurück, der Boden ist bereitet für Melodys "Comeback" in Form eines Medleys aus „Always on the run“, „You give me fever“ und anderen Songs. Auch einer zweiten Zugabe kann sich Melody nicht erwehren. Das Cello wird zur Gitarre umfunktioniert und bietet den Hintergrund für eine ungewohnte, eher beschwingte, zugleich gelungene Interpretation von „Somewhere over the rainbow“. Ein passender Abschluss.
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