Mai10
Am 9. Mai genoss ich die neue Show von Marco Rima „humor sapiens“ in der Stadthalle Bülach. Seiner Zeit floppte in dieser Location das Musical „Storm“ und musste vorzeitig die Aufführungen einstellen, weil schlichtweg zu wenig Leute kamen. Aus dieser Sicht ist die Wahl dieser Location durchaus gewagt. Für Marco Rima ist es aber kein Risiko, denn er hat eine treue Fanbase, die ihn wohl auch nach Sibiriern begleiten würde. Apropos, so schlecht ist Bülach sicher nicht. Es gibt sogar knapp vor der Stadthalle noch eine Menge Parkplätze und sie ist wohl sicher nicht so teuer.

Marco Rima ist ein „Hansdampf in allen Gassen“. Er singt, macht Faxen, tanzt wie ein Verrückter auf der Bühne herum und sorgt immer wieder für einmalige Pointen. Eins muss man schon feststellen, Marco hat in Sachen Rundungen schon was getan oder auf simple berndeutsch „dä chäib hät zuegnoh“. Das Ganze ist eine dreissigjährige Jubiläumsshow, so lange steht Rima bereits auf der Bühne. Besonders hat mich gefreut, als er zu Beginn das Statement abgab, er stehe schon dreissig Jahre im Scheinwerfer, ich schätzte die ungewollte Reminiszenz an unser Magazin.
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Mai10
Einer der Protagonisten singt in diesem Musical den schicksalsschweren Satz: In keiner Zeit war „der Inhalt so unwichtig wie heute, nur die Form zählt“.

Das Musical widerlegt sich diesbezüglich selbst. Es ist der Inhalt, der dieses Werk „besonders“ macht, es geht für einmal nicht um eine „ausrechenbare“ Liebesgeschichte, in der sich die Schauspieler am Schluss zusammen finden. Nein, wir haben es hier - wir alle kennen den Film - mit Eltern zu tun, die die Intelligenz ihres Kindes ablehnen.
Das Musical hat im Gegensatz zu anderen Werken faktisch drei Teile. Den ersten und den zweiten Teil und so halb während der Pause ein Intermezzo, wenn der Vater einer hochbegabten Tochter, eine Ode auf das Fernseh singt bzw. Werbung dafür macht, dass man nicht lesen soll. Erstens sei es primitiv und belaste den Kopf der Kinder, demgegenüber sei Fernseh quasi das Paradies. Die Story um eine solch eine Aussage zu postieren, muss einem erst mal einfallen. Das Schöne an diesem Werk ist wohl, dass jeder sich klüger wie diese „tummen“ Menschen, die hier zum Inhalt gemacht werden, fühlen kann. Tatsächlich ist es nicht unselten, dass Eltern nicht stolz sind auf ihre Kinder und sich genau das Gegenteil wünschen. Dem „tummen“ Elternpaar muss man attestieren, dass sie die Rollen voll glaubwürdig ausfüllen, ein gar nicht so leichtes Unterfangen.
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Mai09
Sweeney Todd ist eine Romanfigur, ein Barbier, der nicht nur die Haare schneidet, sondern zuhauf teilweise mit Grund seine Kunden auf gruslige Weise umbringt, auf jeden Fall strapaziert er meine Nerven. Es gibt eine andere Geschichte über einen Barbier, nämlich den Barbier von Sevilla, der mir erheblich sympathischer ist.

Die schreckliche Story wurde von Stephen Sondheim aufgegriffen und daraus ein Musical produziert.
Leider habe ich mir dieses „Ding“ in London zumindest zum Teil angesehen. Für mich ist Sweeney Todd der Beweis, wie sich das Musical zum Guten weiterentwickelt hat, welche Fortschritte es gemacht hat. Diese traurige Geschichte in einem tristen Bühnenbild dargeboten, auch der Wettbewerb der Friseure, kann zumindest mich nicht begeistern. Ein zwei Lieder konnte ich akzeptieren, d.h., sie waren ungefähr so gut wie das schlechteste in einem aktuellen Musical. Apropos, im Jahre 2007 wurde Sweeney Todd auch verfilmt.
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Mai08
Oper in drei Akten | Musik: Gaetano Donizetti | Libretto: Salvatore Cammarano | Uraufführung: 30. November 1848 in Neapel | Aufführungen in Zürich (Schweizer Erstaufführung!): 6.5. | 10.5. | 13.5. | 15.5. | 20.5. | 23.5. | 3.6. | 6.6. | 9.6.2012 
Hoch spannend klingende, dumpfe Kantilenen der vier Fagotte, begleitet von Celli und Pauke, lassen zu Beginn der Ouvertüre aufhorchen und stimmen ein– zusammen mit dem in die Ouvertüre integrierten Gebetschor - auf ein Drama um Meinungs- und Glaubensfreiheit, Enttäuschung von Lebensentwürfen und (Märtyrer-)tod. Bald schon jedoch dreht sich die Ouvertüre zum damals üblichen Potpourri, welches vom Orchester der Oper Zürich unter der Leitung von Nello Santi noch nicht ganz mit letzter Präzision gespielt wird. Auch den Protagonisten und dem durchschlagskräftigen Chor lässt Santi an diesem Premierenabend erstaunlich viel an freiem, dynamischem Gestalten durchgehen, so dass eine Aufführung entsteht, welche zwar praktisch durchgehend mit imponierender Lautstärke aufwarten kann, dadurch jedoch an Spannung zunehmend verliert. Zumal vor allem dem Sopran von Fiorenza Cedolins das ständige Forcieren nicht bekommt. Die in den Piani wirklich schöne, geschmeidige und tragfähige Stimme von Frau Cedolins wird unter Druck schnell scharf und eng in der Höhe und verliert an Farbe. Das mit dieser unangenehm klingenden Produktion der Töne verbundene Schrille bekommt der Figur der Paolina leider nicht. Die in sie verliebten beiden Männer haben es da mit ihren breiteren stimmlichen Volumina etwas einfacher. Doch auch sie klingen durchwegs zu laut, zu eindimensional, stellen ihre stimmliche Potenz überbordend zur Schau. Das alles ist zwar durchaus beeindruckend, sowohl die saubere, ungetrübte Höhe des Tenors von Massimiliano Pisapia als Poliuto, als auch der raumfüllend sonore und ebenmässig timbrierte Bariton von Massimo Cavalletti. Doch auf Dauer wirkt dieses ständig im Bereich von forte und fortissimo Singen für das Ohr ermüdend und ist dem Aufbau von Spannung nicht gerade zuträglich.
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Mai07
In London läuft zurzeit im Royal Theatre neben dem Covent Garden ein Musical, welches auch am Broadway Erfolg hatte.
Ich gebe Ihnen in der Folge einige Informationen, in Form eines Quiz, vielleicht finden sie heraus, um welches Werk es sich handelt. Keine Angst, am Schluss werde ich das Geheimnis preisgeben.

Dieses Musical ist voller Märchenfiguren. Wir begegnen Pinocchio, Peter Pan, den bösen Wolf von Rotkäppchen, Robin Hood, Schneewittchen, den sieben Zwergen, den drei kleinen Schweinchen, Dornröschen, Aschenputtel, usw.
Das Musical erzählt die Geschichte eines Ogers, - einer menschenähnlichen Figur in Märchen und Sagen -, der eine grüne Hautfarbe hat, nicht vorteilhaft aussieht und quasi ausgestossen ist. Letztlich ist es ein Sieg, der Hässlichkeit über das Normale; das Musical basiert auf einem computeranimierten Kinofilm von Dreamworks aus dem Jahre 2001.
Nun, wissen sie den Namen? Wenn nein noch weitere Hinweise.
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Mai07
Musikdrama in einem Aufzug | Musik: Richard Strauss | Libretto : vom Komponisten, nach der Dichtung von Oscar Wilde | Uraufführung: 9.Dezember 1905 in Dresden | Aufführungen in St.Gallen: 5.5. | 12.5. | 15.5. | 20.5. | 30.5. | 3.6. | 5.6.2012

Ein riesige Vollmondscheibe verbirgt zunächst die seelischen Abgründe, welche sich am Hof des Herodes auftun. Zur geheimnisvoll nächtlich klingenden Tonleiter der Klarinette gibt die Scheibe dann den Blick frei auf auf eine enge, spiegelglatte, leicht abfallende Fläche, begrenzt durch riesige Gitter. In diesem gestylten Käfig sind die Figuren gefangen, haben keine Möglichkeit auszubrechen, werden quasi zunehmend denaturiert. Vincent Lemaire hat eine bezwingende, den Blick genau auf das Wesentliche fokussierende Bühnenkonstruktion geschaffen und Regisseur Vincent Boussard nutzt die begrenzte Fläche zum genau eingezirkelten, atemberaubend packend gestalteten Drama in der pervertierten Gesellschaft einer nicht genau definierten Zeit. Boussard gelingt eine plastische Zeichnung der Charaktere durch eine genaue Personenführung und den Verzicht auf von der Handlung ablenkenden Statisten oder Requisiten. Das einzige, etwas rätselhafte Element ist ein von oben herunterschwebender, vergoldeter Kühlschrank, wohl ein Symbol für die Gefühlsstarre und -kälte in dieser durch und durch gestylten Welt. Denn kein geringerer als der Pariser Couturier Christian Lacroix zeichnet für die wunderschön gearbeiteten Kostüme mit den zauberhaften Stoffen (Firma Schläpfer/Bambula) verantwortlich. Die sowohl im Stück von Oscar Wilde als auch in der Musik von Strauss angelegte Metapher des Mondes bleibt den Abend durch präsent. Immer unterteilt diese mal silbern, mal blutrot gefärbte Scheibe gleich einer Filmklappe die Szenen, konzentriert das Ohr auf die schillernd erzählenden, orchestralen Zwischenspiele, verhindert so, dass man von unnötigen Aktionen auf der Bühne abgelenkt wird.
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Mai04
Wenn Sie in den USA jemand fragen, welches Märchen er kennt, wird er zweifellos nicht Rotkäppchen oder Hänsel und Gretchen, sondern die Hexen von OZ nennen. Bekanntlich wurde dieses Werk verfilmt und Judy Garland hat mit dem Song „Over the Rainbow“ quasi Kultstatus erhalten. Soweit hat es das 1979 uraufgeführte Musical „The Wizard of OZ“ nicht gebracht, aber doch ziemlich weit. Ich habe es mir in London angeschaut in einer sogenannten Matinee-Vorstellung; so nennt man im Westend die Vorstellung die komischerweise am Nachmittag beginnt.

Nun die Choreographie war gegenüber dem Original leicht aufgepeppt, aber hauptsächlich sehr schön. Zwei Feststellungen: Wussten Sie, dass „The Wizard OZ“ ein Sequel (Fortsetzung) hat und dieses nämlich das erfolgreiche Musical „Wicked“ ist? Nebenbei sei bemerkt, dass „Phantom of the Opera“ mit dem meiner Ansicht nach wunderschönen Sequel „Love Never Dies“ nicht erfolgreich war. Zweitens wussten Sie, dass die erste deutschsprachige Übersetzung von „The Wizard of OZ“ in der Schweiz erfolgte?
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Mai04
Sie sind komisch die Londoner aber liebenswert und von Musicals verstehen sie etwas.
Der Reihe nach: Wer wie ich vier Musicals in zwei Tagen in Westend gesehen hat, ist wohl auch komisch; ob auch liebenswert, dass sei dahingestellt.
„Matilda“, „The Wizard of OZ“, „Shrek“ und „Sweeney Todd“ - das war meine Ausbeute und grösstenteils sehr befriedigend. Das Problem ist, dass der Mensch, zumindest Kritiker, immer den Wunsch empfinden, die Darbietungen zu vergleichen und zu entscheiden, was das Beste ist. Das Beste ist wohl, dass man schlichtweg Musicals nicht vergleichen kann. Was aber gesagt werden muss: Die Westend Musicals werden immer besser.
Sie werden an dieser Stelle noch vier Einzelkritiken über sich ergehen lassen müssen. Trotzdem folgt hier zunächst der Versuch einer untauglichen Bewertung: Das zweitschlechteste Musical, welches ich wohl in meinem Leben sah, war wirklich „Sweeney Todd“. Mein einziges Problem war, wie ich möglichst noch vor der Pause aus dem Saal verschwinden kann. Ich weiss, dass Stephen Sondheim heilig bzw. quasi der Papst des Musicals ist. Es ist nicht ein Phänomen, dass ich eigentlich nur eine einzige Person kenne, die seine Musicals wirklich mag. Auch das Musical „Frühlingserwachen“ war vor zwei Jahren nur bei den Kritiken ein Erfolg und fiel beim Publikum durch. Ich weiss nicht, was schön sein soll an dieser beinahe atonalen Musik. Kurz gesagt: Sondheim trifft einfach nicht meinen Musikgeschmack.
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