Man mag sich fragen, was diese Lebensmittel verbindet. Horst, „Hotte“ Lichter weiss darauf Antwort.

Das Neue Theater Spirgarten in Zürich-Altstetten hiess auch dieses Jahr wieder Horst Lichter, den charismatischen Fernsehkoch aus Köln, willkommen. Das ausverkaufte kleine Theater an der Peripherie Zürichs barst aus allen Nähten, die Platzzuweisung entsprechend chaotisch.
Kalorienreicher Einstieg, so will es das Programm. Zwinkernd erklärt er dem Publikum, dass der Butterberg, der vor mehr als 20 Jahren Thema war, unter anderem wegen ihm geschmolzen sei. Denn dann hat er seine Karriere gestartet. Diese hat er mit einer Kochlehre begonnen, doch mit 20 Jahren wieder an den Nagel gehängt. Die erhoffte Geselligkeit, die das Kochen mit sich bringen sollte, war nicht eingetreten. Daher ging er, wie sein Vater unter Tag, in den Bergbau. Etwas später kam dann die Arbeit auf einem Schrottplatz hinzu, mit 26 jedoch bereits der erste Hirnschlag, mit 28 der zweite, begleitet von einem Herzinfarkt. Die Lehre die er daraus zog: Zurückfinden zur wahren und echten Profession, dem Kochen unter der für ihn notwendigen Gesellschaft. Er eröffnete ein Restaurant, in welchem er Geschichten erzählend, inmitten seiner Gäste am Kohleofen stand und diese umsorgte. Die Entdeckung dieses Unikums liess nicht lange auf sich warten, so wurde er zum kochenden Comedian des deutschen Fernsehens.
Der mittlerweile 49-Jährige ist bekannt aus diversen Kochsendungen, wie „Lafer!Lichter!Lecker!“ , „Lanz kocht“, „Die Topfgeldjäger“ oder „Küchenschlacht“. Mit seinem unverkennbaren haarigen Markenzeichen sticht er unter den anderen akkuraten und ernsten Fernsehköchen hervor, aber nicht nur deshalb. Der derbe Strassenhumor ist nicht jedermanns Sache und polarisiert. Zur Zeit ist er mit der neuen Show: „Kann denn Butter Sünde sein?“ auf Tournee, am 17. November in der Tonhalle in St. Gallen und am 18. November im Basler Stadtcasino.
Die Pannen auf der Bühne sind für das Publikum erheiternd und der Comedian lacht mit. Der Herd funktioniert nicht! Erst nachdem zwei Techniker Hang anlegen, scheint endlich etwas zu gehen. Gehaltvoll an seinem Programm ist in erster Linie sicher nicht der Inhalt seines Programms, sondern die Zutaten die er zur Karamel- und Schlagrahmherstellung verwendet. So wird mindestens eine Flasche Baileys und eine Flasche Eierlikör geleert, das Produkt jeweils an das Publikum zum Probieren gereicht (unbedingt in die erste Reihe sitzen!). Die Anekdoten aus dem Urlaub, die Witze über die Buddhisten, die morgens mit Gedanken an gedünstetem Gemüse und gedämpften Fisch erwachen und auf dem Weg zum Reformhaus von einem Elektrobus getroffen werden, sind sicherlich nicht alle jugendfrei und der ein oder andere Scherz auch weit unter der Gürtellinie. Der Humor muss verstanden werden und man sollte nicht zu lange über den Sinn der teilweise sehr anzüglichen Sprüche nachdenken. Tanzen kann er aber und witzig ist er ja auch, vielleicht aber doch eher drollig und ulkig. Was gar nicht mal so schlecht anfing, wandelt sich alsbald in eine Aneinanderreihung platter Sprüche und Witze und wird erst wieder im zweiten Teil der Show aufgelockert. Der Schluss dann etwas schräg und gewöhnungsbedürftig, die Definition von Sünde mit Einbezug der zehn Gebote, Gott und der sieben Todsünden. Nicht jedermanns Bier, um gleich beim Alkohol zu bleiben.
Der rauhe Charme des Deutschen umspielte das Publikum, manche liebten ihn, manchen gefiel er weniger. Der Abend ging feuchtfröhlich zu Ende, ein kalorienreiches und alkoholgetränktes Stück Sahnetorte von der letzten Lichter-Kreation der Show lag für die Zuschauer am Ausgang bereit, so konnten sie gestärkt und beschwingt den Heimweg antreten.
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