My fair Lady im Theater Winterthur, Vorstellung vom 02.01.2012
Schon bald 56 Jahre sind seit der Uraufführung am 15. März 1956 in New York vergangen. Die erste deutschsprachige Aufführung fand im Berliner Theater des Westens am 25. Oktober 1961 also vor mehr als 50 Jahren statt.
Als echter Dauerbrenner mit wunderbaren, unvergänglichen Melodien wie „Es grünt so grün“, „Ich hätt getanzt heut Nacht“, „ In der Strasse wo Du wohnst“, „Ich bin gewohnt an Ihr Gesicht“ und vielen mehr, erzählt My fair Lady (Buch und Liedtexte Alan Jay Lerner, Musik Frederick Loewe) die Geschichte des armen Blumenmädchens Eliza Doolittle, das vor 100 Jahren in London ein erbärmliches Leben führt. Der gut betuchte und angesehene Sprachprofessor Henry Higgins, fasziniert von der rüden Gossensprache Elizas wettet mit dem ebenfalls sprachbegeisterten Oberst Pickering, dass er Eliza binnen 6 Monaten eine feine, perfekte und noble Sprache beibringen und Sie so in die feine Gesellschaft Londons einführen könne. Nach sehr harzigem Beginn gelingt das schier unmögliche Experiment und in diesem Falle machen nicht nur Kleider Leute, sondern eben eine fein und höflich artikulierte Sprache. Die Geschichte beleuchtet das Gefälle zwischen Arm und Reich und spiegelt die erbarmungswürdigen Zustände in London um 1912.
Das sich auf Tournee befindliche Ensemble der Kammeroper Köln (Regie: Lajos Wenzel) spielt, singt und tanzt die Geschichte schwungvoll und schnörkellos. Die Choreographien (Robina Steyer) sind schlicht, präzise und vom Ensemble tadellos umgesetzt. Die Kostüme sind wunderbar. Schlicht und einfach, fast etwas dürftig, das Bühnenbild. Das ganze Ensemble bewältigt die Umbauten rasch und routiniert in Eigenregie. Die grossartigen Kölner Symphoniker unter der Leitung von Inga Hilsberg spielen die eingängigen Melodien mit viel Schwung. Einzig die Balance zwischen Sängern und Orchester ist nicht immer ganz perfekt. Leider werden die Sänger ab und zu vom grossen Orchester so überdeckt, dass Teile der Songs nicht mehr klar verständlich sind.
Ein Genuss Wolf H. Latzel als Henry Higgins (diese Rolle wird sehr oft durch Schauspieler verkörpert) mit seiner wunderbaren und kraftvollen Stimme. Ebenso Maria Mucha die die Verwandlung vom Blumenmädchen zur Gesellschaftsdame bravurös meistert, oder Bernhard Dübe als Oberst Pickering der seine Rolle wunderbar interpretiert und die gesanglichen Hürden geschickt meistert. Sean Brenn (mit wohl englischsprachigen Wurzeln) als Freddy scheint an diesem Nachmittag trotz schöner Stimme leicht indisponiert und wirkt bei seinem Paradesong „In der Strasse wo Du wohnst“ etwas steif. Brillant und routiniert Maria Graef als Mrs. Higgins. Schauspielerisch hervorragend ebenso Jens Rainer Kalkmann als Alfred P. Doolittle. Auch Thekla Gras als resolute Mrs. Pearce/Mrs. Eynsford-Hill, sowie das ganze Ensemble bewältigen Ihre Aufgaben professionell und mit Spielfreude.
Einfach schön! Das mehrheitlich ältere Publikum dankt den vergnüglichen Theaternachmittag im ausverkauften Theater Winterthur mit tosendem Applaus.
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