Das Künstlerensemble Mummenschanz feiert Geburtstag. Bereits seit 40 Jahren faszinieren die musiciens du silence das Publikum rund um den Globus durch ihr einzigartiges Spiel von Formen, Farben und Figuren. Nun laden sie zur Jubiläumstournee, in der sie die jahrzehntelange Geschichte der Formation Revue passieren lassen. Der Startschuss fällt dabei im Theater11 in Zürich, wo ihnen der Direktor des Bundesamtes für Kultur persönlich zum vierzigjährigen Bestehen gratuliert. Dies bleiben aber die letzten grossen Worte des Abends. Nun tritt Stille ein.
Riesige Hände schieben den roten Vorhand zur Seite und begrüssen zur Jubiläumstournee von Mummenschanz. In rascher Abfolge schlüpfen die Künstler nun in die verschiedenen Kostüme und Rollen, die sich in den vergangenen vierzig Jahren auf den Leib schneiderten und mit denen sie das Figurentheater revolutionierten. Sie zeigen - im wahrsten Sinn des Wortes - die vielen Gesichter des Ensembles. So gelingt es ihnen beispielsweise mit einem überdimensionalen Blatt Papier einfache Gesichtszüge und Mienenspiele nachzuzeichnen. Aber auch Seesterne, einzelne Gliedmassen, riesige aufblasbare Figuren und viele andere wunderliche Geschöpfe wirbeln über die Bühne und formieren sich immer wieder zu neuen Gebilden zusammen. Sie befinden sich in stetiger Verwandlung, und auch wenn die einzelnen Figuren meist nur angedeutet sind, so sind sie doch immer auf den Punkt gebracht. All diesen Gestalten ist gemeinsam, dass sie trotz – oder gerade wegen ihrer Einfachheit – gleichzeitig irrsinnig komisch und doch tiefsinnig, ja beinahe poetisch sind.

Oft finden sich gleichzeitig zwei Figuren auf der Bühne, welche miteinander in Dialog stehen oder gar gegeneinander antreten. So duellieren sich in einer bekannten Nummer, welche Mummenschanz bereits 1976 in der Muppet Show vorführte, zwei mit Lehmmasken vermummte Gestalten, indem sie die Lehmmasse in sekundenschnelle zu neuen Gesichtern verformen. Auf diese Weise versuchen sie, sich gegenseitig zu übertreffen. Die Künstler spielen aber nicht nur miteinander, sie nehmen auch mit den Zuschauern Kontakt auf. Ganz ohne Worte gelingt es ihnen, das Publikum in die Inszenierung miteinzubeziehen und es so umso mehr mitzureissen, wofür es sich zum Schluss mit Standing Ovations bedankt.
Trotz ihrem Markenzeichen, der absoluten Stille, scheint den vier Mitgliedern von Mummenschanz der Gesprächsstoff nicht auszugehen. Sie finden unendliche viele Möglichkeiten sich mitzuteilen, wobei sie auf alltägliche Hilfsmittel wie WC-Papier oder Klebeband zurückgreifen. Trotz diesem minimalistischen Aufwand gelingt es ihnen maximaler Ausdruck zu erreichen. Und auch nach vierzigjährigem Bestehen sprühen die beiden Gründungsmitglieder Bernie Schürch und Floriana Frassetto noch vor Energie und Ideen. Unterstützt werden sie von der Tänzerin Raffaella Mattioli und dem Mimen Pietro Montandon.

Neben aller Begeisterung kommt aber auch ein bisschen Wehmut auf. Für Bernie Schürch bedeutet diese Jubiläumstournee nämlich gleichzeitig auch Abschied nehmen. Er zieht sich aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne zurück. Bis dahin wird er aber, zusammen mit den anderen Virtuosen der Stille, noch viele Zuschauer im In- und Ausland verzaubern. Das Publikum in Zürich lässt Mummenschanz jedenfalls – einmal mehr – sprachlos zurück.
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